
Ein Bilderbuch selber machen
Für ein eigenes Bilderbuch braucht ihr zwei oder drei Blätter Papier, einen Faden und Stifte. Ihr faltet die Blätter, legt sie ineinander und bindet sie in der Mitte. Dann malt euer Kind, und ihr schreibt auf, was es dazu erzählt. Das geht ab etwa 3 Jahren. Falten und Binden dauern eine Viertelstunde, das Malen so lange, wie euer Kind mag.
Euer Kind bestimmt, worum es in dem Buch geht. Oft ist es das Kuscheltier, ein Ausflug oder ein ganz normaler Tag. Ihr fragt nach und schreibt mit. So wird auch ein Kind, das noch keinen Buchstaben kennt, zur Autorin oder zum Autor.
Selbst gemachte Bücher schauen Kinder oft besonders gern an, wieder und wieder. Euer Kind kommt darin selbst vor und kennt jede Seite. Wenn ihr an einem Abend lieber nur erzählen wollt, passt das Geschichtensäckchen besser. Hier entsteht etwas, das euer Kind behalten kann.
Das braucht ihr
Die Liste reicht für ein Buch mit acht oder zwölf Seiten. Das meiste liegt bei euch wahrscheinlich schon neben dem Drucker und in der Bastelschublade.

2 bis 3 Blätter Druckerpapier (A4)
Jedes Blatt wird einmal gefaltet und ergibt vier Seiten. Mit zwei Blättern habt ihr acht Seiten, das reicht für die Kleinen. Mit drei Blättern sind es zwölf.
1 Blatt farbiges Papier (A4)
Für den Umschlag. Tonpapier ist fester, normales Farbpapier geht auch. Habt ihr keins, malt euer Kind ein weißes Blatt bunt an.
Etwa 60 cm Wollfaden
Oder Stickgarn oder kräftiges Nähgarn. Eine Farbe, die zum Umschlag passt, sieht man später gern im Falz.
1 Wollnadel oder Stopfnadel
Eine Nadel mit großem Öhr, damit der Faden leicht hindurchgeht. Sie bleibt in euren Händen.
1 Pinnwandnadel
Zum Vorstechen der drei Löcher. Eine Stecknadel oder die Wollnadel selbst tut es auch.
Wachsmal- oder Buntstifte
Filzstifte drücken auf dünnem Druckerpapier oft durch. Dann seht ihr das Bild auch auf der nächsten Seite. Wachsmal- und Buntstifte bleiben auf ihrer Seite.
Für den Tisch
Ein zusammengefaltetes Küchenhandtuch als Unterlage zum Stechen, ein Bleistift und eine Schere für den Faden.
So geht's
Schritt 1
Blätter falten
Kind
Euer Kind legt ein weißes Blatt quer vor sich hin und faltet es in der Mitte, Kante auf Kante. Dann streicht es den Falz mit dem Daumennagel oder einem Lineal glatt. So faltet es jedes Blatt einzeln, auch das farbige.
Ganz genau treffen sich die Kanten bei kleinen Kindern selten. Keine Sorge, ihr seht das später nur am Rand. Wenn es euch stört, haltet ihr die Kanten fest, und euer Kind streicht.
Schritt 2
Ineinanderlegen
Kind
Jetzt legt euer Kind die gefalteten weißen Blätter ineinander, wie bei einem Heft. Das farbige Blatt kommt als Umschlag außen herum. Schiebt alles so zurecht, dass die Falze genau aufeinanderliegen.
Meistens schauen die inneren Blätter am Rand ein kleines Stück heraus. Ihr könnt das so lassen, beim Blättern stört es nicht.
Schritt 3
Löcher vorstechen
Erwachsene
Schlagt das Buch in der Mitte auf und legt es auf ein zusammengefaltetes Küchenhandtuch. Euer Kind darf mit dem Bleistift drei Punkte in den Falz setzen. Einer kommt genau in die Mitte, die anderen beiden etwa 2 Zentimeter vom oberen und unteren Rand.
Dann stecht ihr mit der Pinnwandnadel an jedem Punkt durch alle Lagen. Das Handtuch fängt die Spitze auf. Die Nadel bleibt dabei in eurer Hand und danach außer Reichweite.
Schritt 4
Mit Faden binden
Erwachsene
Fädelt den Faden in die Wollnadel. Stecht von innen durch das mittlere Loch nach außen und lasst innen ein Ende von etwa 15 Zentimetern hängen. Außen geht es zum oberen Loch und dort wieder hinein. Innen führt ihr den Faden am mittleren Loch vorbei bis zum unteren Loch und dort hinaus. Zum Schluss stecht ihr von außen wieder durch das mittlere Loch hinein.
Jetzt liegen beide Enden innen, links und rechts vom langen Faden. Zieht alles straff und verknotet die Enden über dem langen Faden, mit einem Doppelknoten oder einer Schleife. Wenn ihr einen Tacker habt, dessen Arm bis zur Mitte des Falzes reicht, gehen auch zwei Klammern. Ein normaler Bürotacker ist dafür meistens zu kurz.
Schritt 5
Ein Thema finden
Erwachsene + Kind
Fragt euer Kind, wovon das Buch handeln soll. Oft ist die Antwort schnell da. Der Teddy, der Hund von nebenan oder der Tag im Schwimmbad. Wenn nichts kommt, schlagt ihr zwei Dinge vor, und euer Kind wählt.
Ab hier führt euer Kind. Ihr fragt höchstens, was auf der ersten Seite passiert. Wenn die Geschichte unterwegs eine andere Richtung nimmt, geht ihr mit.
Schritt 6
Seite für Seite malen
Kind
Euer Kind malt auf jede Seite ein Bild. Jede Seite zeigt einen Moment der Geschichte, mehr braucht es nicht. Lasst unten auf der Seite einen Streifen frei, etwa zwei Finger breit, für eure Schrift.
Manchmal ist ein Bild nach zwei Minuten fertig. Ein Kreis mit vier Strichen kann der Hund sein, und das genügt. Ihr müsst auch nicht alle Seiten an einem Nachmittag füllen. Das Buch darf über ein paar Tage wachsen.
Schritt 7
Mitschreiben
Erwachsene
Fragt zu jedem Bild, was dort passiert. Schreibt den Satz so auf, wie euer Kind ihn sagt, und ändert nichts am Inhalt. Sprecht beim Schreiben leise mit und lest den Satz danach einmal vor.
Euer Kind sieht dabei, wie aus seinen Wörtern Schrift wird, langsam und Wort für Wort. Die Sprachdidaktik nennt das diktierendes Schreiben, einen frühen Zugang zur Schrift lange vor den ersten eigenen Buchstaben. Wenn euer Kind stockt, wartet ihr einfach. Oft kommt der Satz dann von allein.
Schritt 8
Umschlag gestalten
Erwachsene + Kind
Zum Schluss malt euer Kind ein Bild auf den Umschlag. Ihr schreibt den Titel dazu, den es sich ausdenkt, und darunter seinen Namen. Damit steht fest, von wem das Buch ist.
Dann lest ihr es zusammen, gleich am selben Tag. Oft will euer Kind es danach immer wieder anschauen. Stellt das Buch zu den anderen Kinderbüchern ins Regal, dort findet es euer Kind wieder.
Gelingt sicher
- Erst binden, dann malen
- Wenn ihr lose Blätter bemalt und erst danach bindet, landen die Bilder schnell an der falschen Stelle. Jedes gefaltete Blatt trägt nämlich vier Seiten, zwei vorn und zwei hinten im Buch. Bindet ihr zuerst, bleibt jede Seite an ihrem Platz.
- Wenn nach zwei Seiten Schluss ist
- Manchmal mag euer Kind nach zwei Bildern nicht mehr. Legt das Buch dann aufgeschlagen an seinen Platz und lasst es liegen. Am nächsten Tag geht es oft von allein weiter. Ein Buch mit drei bemalten Seiten ist auch ein Buch.
- Mit Filzstiften ein Blatt dahinter
- Wenn euer Kind unbedingt Filzstifte will, schiebt ihr ein Blatt Altpapier hinter die Seite, die gerade bemalt wird. Es fängt auf, was durchdrückt. Die Rückseite selbst bekommt trotzdem oft einen Schatten ab, deshalb sind Wachsmal- und Buntstifte die bessere Wahl.
Für jedes Alter
- 0–3 · Kleinkind
- Mit drei Jahren malt euer Kind oft Striche und Kreise, und jedes Bild hat trotzdem eine Bedeutung. Ein Buch aus zwei Blättern reicht. Falten und Binden übernehmt ihr, euer Kind streicht den Falz glatt. Für Zweijährige passt eher das Leporello aus den Varianten.
- 4–6 · Kita & Vorschule
- Mit vier bis sechs Jahren faltet euer Kind selbst, setzt die Bleistiftpunkte für die Löcher und diktiert euch Seite für Seite. Manche Kinder wollen ihren Namen auf dem Umschlag schon selbst schreiben. Lasst ihnen dafür Platz.
- 7–10 · Grundschule
- Grundschulkinder schreiben ihre Sätze oft schon selbst, bei schwierigen Wörtern helft ihr. Mit drei Blättern und zwölf Seiten passt eine längere Geschichte hinein. Beim Binden halten sie das Buch offen, die Nadel führt ihr.
- ab 11 · Tweens & Teens
- Ältere Kinder planen ihr Buch selbst, oft als Comic mit Sprechblasen oder als Ferienbuch mit eingeklebten Fotos. Manche machen ein Buch für ein jüngeres Geschwisterkind. Beim Binden mit der Nadel sitzt ihr daneben.
Sicherheitshinweise
- Nadeln und Tacker benutzt ihr selbst. Legt sie nach jedem Schritt außer Reichweite, bei kleinen Geschwistern erst recht.
- Stecht die Löcher auf einem gefalteten Handtuch oder einer Filzunterlage, nie in der Hand.
- Heftklammern, die danebengehen oder herausfallen, sammelt ihr sofort ein. Spitze, dünne Dinge können verschluckt Speiseröhre, Magen oder Darm verletzen.
- Hat euer Kind eine Nadel oder Heftklammer verschluckt, geht ihr immer zur Kinderarztpraxis. Bei Atemnot ruft ihr sofort die 112.
Varianten
- Variante 1
Leporello für die Kleinsten
Faltet ein A4-Blatt quer in der Mitte. Dann faltet ihr jede Hälfte noch einmal zurück zur Außenkante, die eine nach vorn und die andere nach hinten. So entsteht ein Zickzack mit vier Feldern, ganz ohne Nadel und Faden. Klebt Fotos von Menschen und Dingen hinein, die euer Kind kennt. Solche Fotobücher schauen schon Zweijährige gern immer wieder an.
- Variante 2
Ein Buch über euren Ausflug
Klebt die Eintrittskarte, ein Foto oder ein gepresstes Blatt auf eine Seite, euer Kind malt den Rest dazu. So wird aus einem Tag im Tierpark oder am Strand ein kleines Erinnerungsbuch.
- Variante 3
Mein Tag
Jede Seite zeigt ein Stück vom Tag. Aufstehen, Frühstück, Kita, Spielplatz, Abendbrot, Bett. Euer Kind erkennt sich auf jeder Seite wieder, und das Buch lädt zum Erzählen ein. Kitas kennen diese Form als Ich-Buch.
- Variante 4
Das Kuscheltier-Buch
Der Teddy erlebt etwas, etwa einen Tag in der Badewanne oder eine Reise zur Oma. Wenn euer Kind mag, fotografiert ihr das Kuscheltier an echten Orten in der Wohnung und klebt die Bilder ein.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter geht das?
Malen und erzählen kann euer Kind ab etwa drei Jahren, Falten und Binden übernehmt ihr dann noch. Für Zweijährige ist ein Leporello mit Fotos einfacher. Grundschulkinder schreiben ihre Sätze oft schon selbst.
Sätze verbessern oder so lassen?
Am Inhalt ändert ihr nichts, die Geschichte gehört eurem Kind. Umgangssprache dürft ihr beim Aufschreiben glätten, aus „ne“ wird „eine“. Lest den Satz danach vor und fragt, ob er so stimmt.
Geht es auch ohne Nadel?
Ja. Ihr könnt einzelne Blätter mit dem Locher am Rand lochen und einen Wollfaden durch die Löcher ziehen. Dann bemalt euer Kind die Blätter einzeln, und ihr bindet am Ende. Oder ihr macht ein Leporello, das braucht gar keine Bindung.
Mein Kind kritzelt nur. Ist das schlimm?
Nein. Fragt trotzdem, was auf der Seite zu sehen ist, und schreibt die Antwort darunter. Manchmal steckt in einem Knäuel aus Strichen eine ganze Szene, und ihr erfahrt sie nur, wenn ihr fragt.
Was ist der Unterschied zum Geschichtensäckchen?
Beim Geschichtensäckchen erzählt ihr zusammen, und am Ende bleibt nichts auf Papier. Hier entsteht ein Buch, das euer Kind behalten und wieder aufschlagen kann. Eine erzählte Geschichte kann später auch ins Buch wandern.
Die acht Schritte, die Fadenbindung zum Nachlesen und die Sicherheitshinweise zum Ausdrucken. Legt sie neben das Papier, wenn ihr bindet.
Bilderbücher in Hamburg
Wenn euer Kind nach dem eigenen Buch neugierig auf andere ist, schaut in den Kalender. Dort stehen Bilderbuchkinos und Vorlesestunden für Familien in Hamburg.
Bilderbuchkinos im Kalender →



