
Herbst-Schatzsuche: zehn Dinge im Park
„Wir gehen eine Runde" zieht bei euren Kindern selten. „Wir suchen zehn Dinge, und eins davon ist eine Kastanie mit Stachelhülle" zieht fast immer. Darin liegt der ganze Trick dieser Schatzsuche. Der Spaziergang bekommt eine Aufgabe, und aus dem Weg wird ein Gelände.
Ihr braucht dafür einen Stoffbeutel. Wenn ihr es ordentlich mögt, nehmt ihr noch einen leeren Eierkarton mit. Der ist am Ende die Schatzkiste, mit einem Fach pro Fundart. Die Suchliste steht unten, ihr könnt sie an jeden Park und an jedes Alter anpassen.
Die Suche dauert etwa eine Stunde, das Sortieren am Küchentisch noch zwanzig Minuten. Und es gibt einen Nebeneffekt. Wenn ihr Kastanien, Eicheln und Bucheckern sammelt, habt ihr gleich das Material für die nächsten drei Bastelnachmittage im Haus.
Das braucht ihr
Nichts davon müsst ihr kaufen:

1 Stoffbeutel
Ein Eimerchen, ein Rucksack oder eine Jackentasche gehen auch. Stoff ist besser als Plastik, denn nasse Blätter und feuchte Kastanien schimmeln in der Tüte innerhalb eines Tages.
1 leerer Eierkarton
Das wird eure Schatzkiste. Sechs oder zehn Fächer, ein Fach pro Fundart. So wird aus einem Haufen eine Sammlung, und eure Kinder sortieren freiwillig.
1 Lupe
Sie ist optional, verändert aber den Spaziergang. Mit einer Lupe in der Hand bleiben eure Kinder stehen. Die Handykamera mit Zoom erfüllt den Zweck auch.
Gummistiefel und Regenjacke
Die wichtigste Ausrüstung. Nasses Laub ist der beste Fundort, und trockene Füße entscheiden darüber, ob die Stunde gelingt.
Für danach
Ein Tuch für den Küchentisch und die Möglichkeit, Hände zu waschen.
So geht's
Schritt 1
Die Liste vorher zusammen festlegen
Erwachsene + Kind
Denkt euch vor dem Losgehen an der Tür zehn Sachen aus. Das macht ihr laut, nicht auf Papier. Bewährt hat sich eine Mischung aus sicheren Treffern und Herausforderungen. Zum Beispiel etwas Braunes, etwas Rotes, eine Kastanie mit Stachelhülle, eine Eichel mit Hütchen, eine Buchecker. Dazu einen glatten Stein, einen Zapfen, ein Blatt größer als die eigene Hand, ein Blatt kleiner als der Daumennagel, eine Feder.
Zwei Regeln reichen. Nur was am Boden liegt, kommt in den Beutel, abgerissen wird nichts. Und alles, was eine Beere oder ein Pilz ist, bleibt liegen. Warum, steht im Sicherheitskasten. Euren Kindern genügt der Satz „Beeren und Pilze sind hier nicht dabei, die sind nur zum Anschauen".
Schritt 2
Suchen – und langsamer werden
Kind
Die besten Fundstellen sind die Ränder, nicht die Wege. Schaut unter großen Bäumen und an Hecken, wo der Wind das Laub zusammengeschoben hat. Unter einer Rosskastanie liegen im Oktober meistens so viele Kastanien, dass der Beutel nach zwei Minuten voll ist. Deshalb gehört „nur fünf pro Sorte" auf eure Liste. Sonst schleppt am Ende ein Erwachsener drei Kilo.
Die Lupe ist der eigentliche Gewinn dieses Nachmittags. Unter der Lupe hat ein Blatt Adern wie ein Straßennetz, und eine Bucheckernhülle ist innen samtig. In diesem Moment wird für eure Kinder aus Sammeln Schauen. Darum dauert die Runde oft länger, als ihr geplant habt.
Schritt 3
Zu Hause ausschütten und sortieren
Erwachsene + Kind
Schüttet den Beutel auf dem Küchentisch aus. Für eure Kinder ist das der zweitbeste Moment. Dann wird sortiert, ein Fach im Eierkarton pro Sorte. Kastanien, Eicheln, Bucheckern, Zapfen, Steine, ein aufgerolltes Blatt.
Sortieren ist unauffällig anspruchsvoll. Es verlangt, Merkmale zu vergleichen und eine Ordnung zu erfinden. Wenn eure Kinder wollen, ordnen sie stattdessen nach Farbe, nach Größe oder nach „stachelig und nicht stachelig". Danach wascht ihr euch alle die Hände.
Schritt 4
Aufbewahren, was haltbar ist
Erwachsene
Trocken ist haltbar, feucht ist es nicht. Zapfen, Steine, Eicheln und Bucheckern halten den Winter im Eierkarton durch. Kastanien schrumpeln nach zwei bis drei Wochen und werden matt. Wenn ihr sie zum Basteln braucht, verarbeitet sie in den ersten Tagen.
Blätter halten nur gepresst. Legt sie zwischen zwei Blätter Zeitung in ein dickes Buch und lasst sie zwei Wochen liegen. Später sind gepresste Blätter euer Material für Fensterbilder und für das Blatt auf der Glaslaterne. Alles, was feucht in den Karton kommt, schimmelt. Deshalb steht der Karton den ersten Tag offen an der Heizung.
Gelingt sicher
- Der Satz, der die Runde rettet
- Wenn die Beine nicht mehr wollen, lasst „nur noch bis zur Bank" weg und gebt euren Kindern eine neue Aufgabe. „Finde drei Blätter in drei verschiedenen Rottönen" bringt erfahrungsgemäß mehr Meter als jede Aussicht auf das Ziel. Denn dabei geht ein Kind nicht mehr, es sucht.
- Rosskastanie ist nicht Esskastanie
- Die Kastanien, die im Park in stacheligen grünen Hüllen liegen, sind Rosskastanien. Sie sind zum Basteln gemacht, nicht zum Essen. Esskastanien, also Maronen, haben eine viel dichter bestachelte Hülle. Bei uns laufen sie über den Markt, nicht über den Spielplatz. Euren Kindern reicht eine Regel. Kastanien vom Baum sind Bastelkastanien.
- Was in Hamburg wo liegt
- Rosskastanien stehen in fast jeder Hamburger Parkanlage und an vielen Alleen. Eichen und Buchen findet ihr in den großen Parks und in Waldstücken wie den Harburger Bergen oder dem Niendorfer Gehege. Zapfen gibt es überall, wo Kiefern stehen, auffällig viele an den Rändern der Heideflächen.
- Wenn es regnet
- Dann ist es besser, nicht schlechter. Nasses Laub riecht, klebt und lässt sich stapeln. Kastanien glänzen frisch aufgeplatzt am stärksten, und der Park ist leer. Mehr als Gummistiefel braucht ihr dafür nicht.
Für jedes Alter
- 0–3 · Kleinkind
- Drei Dinge statt zehn, und alle gut zu finden: eine Kastanie, ein Blatt, ein Stein. In diesem Alter ist Tragen die Lieblingsbeschäftigung, nicht Finden. Ein eigener kleiner Beutel ist für eure Kleinen wichtiger als die Liste. Hier gilt der Sicherheitshinweis am strengsten, denn Kastanien und Eicheln passen in einen Kindermund.
- 4–6 · Kita & Vorschule
- Zehn Dinge sprecht ihr vorher laut ab und zählt sie unterwegs an den Fingern ab. Sortieren nach Sorte klappt jetzt selbst. Die Lupe ist ab hier der beliebteste Gegenstand im Beutel.
- 7–10 · Grundschule
- Die Liste wird schwieriger: ein Blatt mit Fraßspuren, etwas Symmetrisches, zwei Blätter vom selben Baum in verschiedenen Farben, ein Samen, der fliegen kann. Dazu kommt die Frage, von welchem Baum der Fund stammt. Ab diesem Punkt wird eine Bestimmungs-App für eure Kinder interessanter als der Beutel.
- ab 11 · Tweens & Teens
- Aus der Suche wird eine Dokumentation. Eure Großen fotografieren jede Fundart, bestimmen sie und kleben ein Herbarium auf Karton. Oder umgedreht schreiben sie eine Liste für die kleinen Geschwister und leiten die Suche selbst an.
Sicherheitshinweise
- Nichts in den Mund. Das ist die einzige wirklich wichtige Regel dieses Nachmittags. Rosskastanien und Eicheln sind für Kinder nicht zum Essen, und bei Kleinkindern kommt das Verschluckungsrisiko dazu.
- Keine Beeren, keine Pilze in den Beutel – auch nicht „nur zum Anschauen" in der Hosentasche. Im Herbst tragen mehrere giftige Ziergehölze auffällig schöne Früchte, darunter Eibe und Pfaffenhütchen; bei beiden sind Samen und Pflanzenteile giftig. Erwachsene sollten die Funde durchsehen, bevor sie eingesammelt werden.
- Nach dem Sammeln Hände waschen, vor dem Essen sowieso. Das ist der praktische Teil, der jeden Restzweifel über Tierkot oder Spritzmittel am Wegrand erledigt.
- Bei Verdacht auf verschluckte Pflanzenteile nicht im Internet suchen, sondern anrufen: Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen, 0551 19240. Wenn möglich einen Rest der Pflanze aufheben.
- Nichts von lebenden Pflanzen abreißen. Das ist keine Sicherheitsregel, sondern eine Anstandsregel – aber sie verhindert zugleich, dass unbekannte Blätter und Beeren überhaupt in den Beutel kommen.
Varianten
- Variante 1
Farbkarte
Aus einem Farbmuster aus dem Baumarkt oder selbst gemalten Farbflecken wird eine Suchkarte. Die Aufgabe für eure Kinder heißt dann „Finde ein Blatt, das genau zu diesem Rot passt". Das schult das Hinsehen und funktioniert bei Vierjährigen wie bei Zehnjährigen.
- Variante 2
Schatzsuche im Winter
Dieselbe Runde geht auch ohne Laub: Rindenstücke, Knospen, Zapfen, Spuren im Schlamm, Federn. Es gibt weniger zu finden, dafür seht ihr mehr. Der Vergleich mit dem Herbstkarton ist dann der eigentliche Gewinn.
- Variante 3
Sortierbrett statt Karton
Ein Stück Pappe mit Kreisen, in jeden Kreis legt ihr eine Fundart. Für Zwei- bis Dreijährige ist das Sortieren auf einer Fläche leichter als in Fächern, weil alles sichtbar bleibt.
- Variante 4
Direkt weiterbasteln
Die Funde sind euer Material für den nächsten Nachmittag: gepresste Blätter für die Glaslaterne, Kastanien und Streichhölzer für Kastanientiere, Blattadern als Muster im Salzteig.
Häufige Fragen
Wie lange halten Kastanien?
Zwei bis drei Wochen sehen sie frisch aus, danach schrumpeln sie und verlieren den Glanz. Wenn ihr damit basteln wollt, nehmt sie möglichst in der ersten Woche. Eicheln, Bucheckern, Zapfen und Steine halten dagegen den ganzen Winter, wenn sie trocken liegen.
Darf man im Park überhaupt sammeln?
Wenn ihr Handvoll-Mengen für euch selbst sammelt, ist das in öffentlichen Grünanlagen üblich und unproblematisch. Das gilt für Früchte, Zapfen und Blätter, die am Boden liegen. In Naturschutzgebieten ist es anders. Dort bleibt ihr auf den Wegen und nehmt nichts mit. Die entsprechenden Schilder stehen am Eingang.
Was, wenn mein Kind eine Beere mitbringt?
Nehmt sie weg, ohne ein Drama daraus zu machen, und wascht die Hände. Erklärt die Regel noch einmal, ohne Angst zu machen. Es gibt Beeren, die im Bauch wehtun. Weil man sie nicht immer erkennt, bleiben alle liegen. Wenn ihr den Verdacht habt, dass etwas verschluckt wurde, ruft den Giftnotruf an.
Geht das auch ohne Park?
Ja. Ein Straßenzug mit Alleebäumen, ein Friedhof, ein Spielplatzrand oder ein Schulhof mit Hecke reichen. Eure Liste wird dann kürzer und städtischer: ein Blatt, ein Stein, ein Stück Rinde, etwas Rundes.
Brauchen wir eine Bestimmungs-App?
Nicht für die Suche. Ab etwa sieben Jahren kommt aber von selbst die Frage, von welchem Baum ein Blatt stammt. Dann ist eine App, die ihr gemeinsam bedient, ein guter zweiter Schritt. Vorher lenkt das Display vom Boden ab.
Die vier Schritte, die Tipps zum Sammeln und die Sicherheitshinweise – mit Kästchen zum Abhaken unterwegs.
Geführt statt selbst gesucht
Wenn es mehr sein soll als die eigene Runde: In Hamburg laufen über den Herbst Familienführungen und Naturaktionen in den Parks und Naturschutzgebieten – Waldtage, Pilzführungen für Erwachsene, Ferienprogramme für Kinder.
Naturaktionen für Familien im Kalender →




