
Eiskunst aus Naturschätzen
Diese Idee kostet nichts, dauert zehn Minuten und braucht danach eine Nacht, in der es friert. Genau das macht sie für Kinder interessant: Man legt etwas hin und kann nichts mehr tun, bis das Wetter fertig ist.
Das Ergebnis ist eine Scheibe aus Eis, in der Blätter, Beeren und Zweige schweben. Hängt sie an einem Ast im Gegenlicht, sieht sie aus wie Buntglas – und sie hält genau so lange, wie der Frost hält.
Das eigentliche Experiment beginnt beim Tauen. Wer die Scheibe an einem milden Tag beobachtet, sieht, dass sie nicht gleichmäßig verschwindet: Die dünnen Stellen gehen zuerst, und die Blätter fallen nacheinander heraus.
Das braucht ihr
Für zwei bis drei Eisscheiben. Alles davon ist schon da – die Naturschätze sammelt ihr beim Spaziergang davor.

1–2 flache Schalen
Kuchenform, Auflaufform, Frisbee, Blumenuntersetzer. Flach ist wichtiger als rund: Eine tiefe Schüssel gibt einen Eisklotz, der tagelang nicht durchfriert und beim Aufhängen abreißt.
Naturschätze
Blätter, Hagebutten, Eberesche, Tannenzweige, Grashalme. Bunt und flach ist am schönsten – dicke Zapfen drücken sich durch die Scheibe und machen sie instabil.
Naturschnur
Etwa 30 cm je Scheibe. Die Schnur wird eingefroren, nicht angebunden – nur so hält sie das Gewicht.
Wasser
Leitungswasser reicht. Wer eine klare Scheibe will, nimmt abgekochtes und wieder abgekühltes Wasser: Das enthält weniger gelöste Luft und friert durchsichtiger.
Eine Frostnacht
Mindestens ein paar Stunden unter null. Ohne Frost draußen tut es das Gefrierfach – dann braucht die Scheibe etwa vier bis sechs Stunden.
Sicherheitshinweise
- Eis ist schwerer und rutschiger, als es aussieht. Eine Scheibe von 20 Zentimetern wiegt gut ein Pfund. Sie gehört mit beiden Händen getragen und nicht über einem Fuß ausgelöst.
- Aufhängen auf Augenhöhe oder höher, aber nicht über einem Weg, auf dem jemand läuft. Wenn die Schnur reißt, fällt ein harter Gegenstand herunter.
- Schnee und Eis aus der Natur gehören nicht in den Mund. Das Umweltbundesamt hält kleine Mengen zwar meist für unbedenklich, sagt aber deutlich: Schnee und Regenwasser sind keine Lebensmittel und nicht keimfrei – über die Luft können Verbrennungsprodukte, Stäube und Keime hineingelangen.
- Beeren sind zum Ansehen, nicht zum Essen. Hagebutte und Eberesche sind in der Scheibe hübsch; welche roten Beeren im Winter giftig sind, weiß kein Kind sicher. Im Zweifel nur Blätter und Zweige nehmen.
- Bei Verdacht auf verschluckte Beeren hilft die Giftinformationszentrale-Nord in Göttingen weiter, für Hamburg zuständig: 0551 19240.
- Das Auslösen mit lauwarmem Wasser ist Erwachsenensache – nicht wegen der Temperatur, sondern weil die Schale dabei glitschig wird.
So geht's
Schritt 1
Sammeln gehen
Erwachsene + Kind
Eine Runde um den Block oder durch den Park, und dabei alles einsammeln, was flach ist und Farbe hat. Zehn bis fünfzehn Stücke reichen für eine Scheibe.
Das ist der Teil, der die Idee trägt: Was hier gefunden wird, ist nachher für Wochen sichtbar. Ein Kind, das selbst gesucht hat, erkennt jedes Blatt in der Scheibe wieder.
Schritt 2
In die Schale legen
Kind
Die Naturschätze locker in der Schale verteilen, ohne Wasser. Erst legen, dann gießen – wer umgekehrt anfängt, schiebt hinterher alles im Wasser hin und her.
Nicht zu voll: Zwischen den Stücken soll überall Eis sein, sonst bricht die Scheibe genau dort, wo zwei Blätter sich berühren.
Schritt 3
Schnur einlegen und Wasser angießen
Erwachsene + Kind
Die Schnur so hineinlegen, dass ein Stück im Wasser liegt und die Schlaufe über den Rand hängt. Das eingefrorene Ende ist später der Aufhänger.
Dann Wasser angießen, etwa zwei Finger hoch. Mehr ist nicht besser: Eine dicke Scheibe ist schwer und reißt die Schnur heraus.
Schritt 4
Über Nacht nach draußen
niemand – Geduld
Die Schale auf den Balkon, die Fensterbank oder in den Garten stellen. Eben stellen – schief eingefroren heißt schief gehängt.
Bei leichtem Frost dauert es eine Nacht, bei strengem geht es schneller. Ins Gefrierfach gestellt sind vier bis sechs Stunden ein guter Richtwert.
Schritt 5
Auslösen und aufhängen
Erwachsene + Kind
Die Schale kurz von unten mit lauwarmem Wasser überspülen, dann löst sich die Scheibe. Mit beiden Händen herausnehmen – sie ist schwerer, als sie aussieht, und bricht am Rand leicht.
Aufhängen an einen Ast, am besten dort, wo morgens die Sonne durchkommt. Ab jetzt ist es Beobachtungssache.
Gelingt sicher
- Warum die Scheibe milchig wird
- In Leitungswasser ist Luft gelöst. Beim Gefrieren wird sie herausgedrückt und bleibt als feine Bläschen im Eis – das macht es weiß. Abgekochtes, abgekühltes Wasser enthält weniger davon und friert deutlich klarer.
- Zwei Scheiben, ein Vergleich
- Eine mit Leitungswasser, eine mit abgekochtem Wasser, gleichzeitig eingefroren. Der Unterschied ist groß genug, dass ein Sechsjähriger ihn sofort sieht – und das ist ein besseres Experiment als jede Erklärung.
- Der Aufhänger reißt fast immer am selben Punkt
- Dort, wo die Schnur aus dem Eis kommt. Wer ein längeres Stück Schnur einfriert und es in einer Schlaufe innen entlanglegt, verteilt die Last und hat weniger Ausfälle.
- Tauen ist der zweite Teil
- Stellt die Scheibe an einem milden Tag auf einen Teller ins Warme und schaut alle halbe Stunde nach. Was schmilzt zuerst – Rand oder Mitte? Fallen die Blätter heraus oder bleiben sie liegen?
Für jedes Alter
- 0–3 · Kleinkind
- Legen und gießen geht mit Dreijährigen sehr gut, und das Ergebnis am nächsten Morgen ist genau die richtige Art Zauberei. Die fertige Scheibe ist glatt und schwer – die trägt ein Erwachsener.
- 4–6 · Kita & Vorschule
- Kann die Scheibe allein gestalten und lernt dabei das Wichtigste: erst legen, dann gießen. Die Frage „Wo bleibt das Wasser, wenn es taut?“ ist hier schon beantwortbar.
- 7–10 · Grundschule
- Der Vergleich Leitungswasser gegen abgekochtes Wasser ist ein echtes kleines Experiment mit Vermutung, Durchführung und Ergebnis. Auch spannend: Wie dick ist zu dick?
- ab 11 · Tweens & Teens
- Interessanter wird die Messung: Wie lange braucht eine Scheibe bei welcher Außentemperatur? Wer das über mehrere Tage notiert, hat eine eigene kleine Datenreihe.
Varianten
- Variante 1
Das Eis-Mobile
Drei kleine Scheiben in unterschiedlicher Größe an einen Stock hängen. Dreht sich im Wind und fängt das Licht aus wechselnden Richtungen.
- Variante 2
Mit Farbe
Einen Tropfen Lebensmittelfarbe ins Wasser. Wirkt am besten, wenn nur eine Hälfte gefärbt wird – dann sieht man die Grenze im Eis.
- Variante 3
Die Eis-Laterne
Einen Eimer mit Wasser füllen, eine kleine Dose beschwert in die Mitte stellen und über Nacht draußen lassen. Außen friert es, innen bleibt es flüssig – ausgießen, und man hat einen Hohlkörper für ein LED-Teelicht.
- Variante 4
Ohne Frost, im Gefrierfach
Geht das ganze Jahr. Eine flache Dose statt der Schale, vier bis sechs Stunden. Die Scheibe hält draußen dann natürlich nur, solange es kalt genug ist.
Häufige Fragen
Wie dick soll die Scheibe sein?
Etwa zwei Finger – rund zwei bis drei Zentimeter. Dünner bricht beim Auslösen, dicker wird schwer und reißt am Aufhänger.
Es friert bei uns nicht. Geht es trotzdem?
Ja, im Gefrierfach. Vier bis sechs Stunden in einer flachen Dose. Nur hängen bleibt sie draußen dann nicht lange – das ist eher ein Küchentisch-Experiment.
Warum ist meine Scheibe weiß statt durchsichtig?
Gelöste Luft im Leitungswasser. Abgekochtes und wieder abgekühltes Wasser friert klarer. Milchig ist übrigens nicht hässlich – die Blätter heben sich sogar deutlicher ab.
Die Schnur ist ausgerissen. Was tun?
Mehr Schnur einfrieren. Ein kurzes Ende im Eis hat wenig Halt; wer 10 cm in einer Schlaufe im Inneren verlegt, hat deutlich weniger Ausfälle.
Wie lange hält die Scheibe draußen?
So lange es friert. Bei Dauerfrost Wochen, bei wechselhaftem Wetter einen Tag. Das Vergehen gehört dazu – und ist der interessantere Teil.
Die fünf Schritte, die Sammelliste für unterwegs und die Beobachtungsfragen fürs Tauen – eine Seite zum Mitnehmen.
Zum Sammeln rausgehen
Im Kalender stehen Hamburgs Natur- und Waldtermine für Familien. Ein geführter Winterspaziergang ist die beste Gelegenheit, Hagebutten und Zweige zu finden – und zu erfahren, welche Beeren man besser hängen lässt.
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