
Blätter pressen: vom Park ins Buch
Blätter sammeln kann jedes Kind, sobald es laufen kann. Was danach meist passiert: Die Blätter liegen drei Tage auf der Fensterbank, rollen sich ein, werden braun und landen im Müll. Dabei fehlt euch nur ein Schritt, und der kostet zehn Minuten.
Gepresst und getrocknet halten Herbstblätter jahrelang. Sie behalten einen großen Teil ihrer Farbe. Und sie sind das Material für fast alles, was bei euch im Winter noch kommt: Fensterbilder, Karten, ein Herbarium, Tiere aus Blättern. Drei Wochen dauert es im Buch, bei dicken Blättern bis zu sechs.
Diese Anleitung geht mit euch den ganzen Weg. Hier steht, welche Blätter taugen, wie ihr sie einlegt und wann ihr das Papier wechseln müsst. Und was ihr macht, wenn es bis morgen fertig sein soll.
Das braucht ihr
Alles davon habt ihr im Haus. Wirklich wichtig ist nur ein richtig schweres Buch.

20–30 Herbstblätter
Flach, trocken und ohne Löcher. Blätter direkt vom Boden sind meist besser als welche vom Baum. Sie sind schon angetrocknet und lassen sich schneller pressen.
1 dickes, schweres Buch
Ein alter Atlas, ein Telefonbuch, ein Lexikon. Das Gewicht ist wichtiger als die Größe. Nehmt ein Buch, um das es nicht schade ist, falls Feuchtigkeit durchschlägt.
6–8 Bögen Zeitungspapier
Euer eigentliches Arbeitsmaterial. Zeitung saugt die Feuchtigkeit aus dem Blatt. Ohne Zeitung zwischen den Buchseiten wellt sich das Papier, und das Blatt schimmelt.
2–3 weitere Bücher zum Beschweren
Die kommen oben drauf. Je mehr Gewicht, desto flacher das Ergebnis. Ein Stapel ist besser als ein einzelnes Buch.
1 Stoffbeutel oder Korb
Zum Sammeln. Eine Plastiktüte ist die schlechteste Wahl, weil die Blätter darin auf dem Heimweg schwitzen und feucht ankommen.
1 Bleistift
Damit schreibt ihr auf das Zeitungspapier, wann ihr eingelegt habt und woher die Blätter sind. Das klingt übertrieben. Nach drei Wochen macht es aber den Unterschied zwischen einer Sammlung und einem Haufen.
So geht's
Schritt 1
Sammeln – und dabei aussuchen
Kind
Schon beim Sammeln entscheidet sich fast alles. Was flach auf dem Boden liegt und sich nicht einrollt, presst sich gut. Was schon zusammengerollt, klebrig oder löchrig ist, lasst ihr liegen. Beim Pressen wird es nicht besser.
Für eure Kinder ist das eine schöne Aufgabe mit einer klaren Regel: flach, ganz, farbig. Ahorn, Eiche, Linde und Buche gelingen gut. Dicke, fleischige Blätter und alles mit vielen Stielen sind schwierig. Sie brauchen doppelt so lange und werden selten richtig flach.
Schritt 2
Zu Hause abwischen und sortieren
Kind
Wischt jedes Blatt kurz mit einem trockenen Tuch ab. Erde und Feuchtigkeit von draußen führen sonst später zu Stockflecken. Nasse Blätter lasst ihr erst eine Stunde auf dem Tisch liegen.
Dann wird sortiert, nach Farbe, nach Größe, nach Baumart. Dieser Teil macht euren Kindern am längsten Freude. Wenn sie mögen, legen sie gleich Paare. Zwei ähnliche Blätter geben später ein Schmetterlingsflügelpaar.
Schritt 3
Zwischen Zeitungspapier legen
Erwachsene + Kind
Ihr legt einen Bogen Zeitung auf den Tisch und darauf die Blätter, einzeln, ohne dass sie sich überlappen. Wo zwei Blätter übereinanderliegen, bleibt Feuchtigkeit. Genau dort bilden sich braune Flecken.
Dann kommt ein zweiter Bogen darüber. Wenn ihr viele Blätter habt, baut ihr Schichten: Zeitung, Blätter, Zeitung, Blätter, Zeitung. Auf den obersten Bogen schreibt ihr mit Bleistift das Datum.
Schritt 4
Ins Buch und beschweren
Erwachsene + Kind
Legt das Zeitungspaket in die Mitte des dicken Buches und klappt es zu. Obendrauf kommen zwei bis drei weitere Bücher. Erst das Gewicht sorgt dafür, dass eure Blätter flach bleiben und sich später nicht wieder wölben.
Der Platz sollte trocken und warm sein, aber nicht auf der Heizung. Zu schnelles Trocknen macht die Blätter brüchig. Gut ist ein Regalbrett, ein Schrank oder die Ecke unter dem Sofa. Hauptsache, bei euch fasst es drei Wochen lang niemand an.
Schritt 5
Nach einer Woche das Papier wechseln
Erwachsene + Kind
In den meisten Anleitungen fehlt dieser Schritt, dabei entscheidet er über das Ergebnis. Die Zeitung hat inzwischen Feuchtigkeit aufgenommen. Bleibt sie liegen, gibt sie die Feuchtigkeit wieder ab. Zwei- bis dreimal tauscht ihr sie über die gesamte Zeit gegen frisches Papier.
Für eure Kinder ist das der Termin, an dem das Projekt weiterlebt. Einmal nachsehen, wie weit es ist, ein Blatt vorsichtig anheben, wieder zurücklegen. Danach kommen dieselben Bücher wieder obendrauf.
Schritt 6
Nach drei Wochen: aufmachen
Kind
Nach etwa drei Wochen sind die Blätter durch. Sie fühlen sich papieren an, knistern leicht und bleiben von allein flach. Sehr dicke Blätter brauchen bis zu sechs Wochen. Im Zweifel lasst ihr sie lieber eine Woche länger liegen als eine zu früh.
Der Test ist einfach: Ein fertig gepresstes Blatt liegt auf eurer Handfläche, ohne sich zu bewegen. Wellt es sich beim Hochnehmen noch, ist innen Restfeuchte. Keine Sorge, dann muss es einfach zurück ins Buch.
Fertig gepresste Blätter bewahrt ihr flach auf, wieder zwischen Papier und wieder in einem Buch. So halten sie jahrelang und sind im Januar noch da.
Gelingt sicher
- Der Bügeleisen-Trick, wenn es bis morgen fertig sein muss
- Legt das Blatt zwischen zwei Lagen Zeitungspapier. Dann bügelt ihr bei mittlerer Temperatur ohne Dampf in kurzen Intervallen von etwa 10 bis 15 Sekunden darüber. Dazwischen lasst ihr das Papier kurz abkühlen. Nach mehreren Durchgängen ist das Blatt trocken. Das Bügeln übernehmt ihr Erwachsenen, es geht in zehn Minuten. Die Farben bleiben dabei weniger gut erhalten als beim langsamen Pressen.
- Warum die Zeitung wichtiger ist als das Buch
- Das Buch macht den Druck, die Zeitung macht die Arbeit. Sie zieht das Wasser aus dem Blatt. Wenn ihr Blätter direkt zwischen Buchseiten legt, bekommt ihr wellige Seiten und Stockflecken im Buch. Und die Blätter trocknen nicht richtig. Küchenpapier tut es auch, saugt aber so stark, dass die Blätter brüchig werden.
- Was die Farbe kostet
- Rot und Gelb halten sich gut, Grün wird fast immer bräunlich. Das liegt am Blattgrün, das beim Trocknen zerfällt, und es lässt sich nicht verhindern. Wenn ihr im Herbst sammelt, habt ihr deshalb die besseren Karten als im Sommer. Haarspray über das fertige Blatt verlängert die Haltbarkeit. Es macht das Blatt aber glänzend und klebrig, für ein Herbarium eher nicht.
Für jedes Alter
- 0–3 · Kleinkind
- Sammeln und tragen, mehr braucht es nicht, und mehr will ein Zweijähriger auch nicht. Wichtig ist nur die Regel aus dem Sicherheitskasten: nichts in den Mund, keine Beeren in den Beutel. Das Einlegen übernehmt ihr. Das Aufmachen nach drei Wochen dürfen dann wieder alle.
- 4–6 · Kita & Vorschule
- Sortieren nach Farbe und Größe klappt jetzt allein, und das Einlegen auch. Die Regel „die Blätter dürfen sich nicht berühren" ist genau die Art Aufgabe, die Vierjährige ernst nehmen. Der Termin nach einer Woche ist in diesem Alter wichtig. Für eure Kinder sind drei Wochen ohne Zwischenschritt eine Ewigkeit.
- 7–10 · Grundschule
- Jetzt lohnt sich das Herbarium. Jedes Blatt kommt auf ein Blatt Papier, daneben Name des Baums, Fundort und Datum. Mit einem Bestimmungsbuch oder einer App wird aus dem Basteln eine Sammlung, die über Jahre wächst. Schön ist auch, wenn ihr dasselbe Blatt vom selben Baum in drei Jahren hintereinander sammelt.
- ab 11 · Tweens & Teens
- Für Ältere wird es interessant, wenn es um Technik geht. Ihr könnt eine richtige Blumenpresse aus zwei Holzplatten und vier Flügelschrauben bauen, verschiedene Trockenmethoden vergleichen oder Blätter in Gießharz einbetten oder laminieren. Oder das Gegenteil, Blattskelette, bei denen nur die Adern übrig bleiben.
Sicherheitshinweise
- Nichts in den Mund, und keine Beeren oder Pilze in den Beutel – auch nicht „nur zum Anschauen". Im Herbst tragen mehrere giftige Ziergehölze auffällig schöne Früchte, darunter Eibe und Pfaffenhütchen. Erwachsene schauen die Funde durch, bevor sie eingesammelt werden.
- Nach dem Sammeln Hände waschen, vor dem Essen sowieso. Das erledigt alle Restzweifel über Tierkot und Spritzmittel am Wegrand.
- Das Bügeleisen aus dem Tipp bleibt in Erwachsenenhand, auch bei Schulkindern: Es geht dabei um kurze Kontakte bei mittlerer Hitze auf einem Tisch, nicht um ein Bügelbrett mit Ablage – das ist genau die Situation, in der ein heißes Gerät irgendwo abgestellt wird.
- Wer Blätter aus einem Naturschutzgebiet mitnehmen will: nicht. Dort gilt Wegegebot und Entnahmeverbot, die Schilder stehen am Eingang. In öffentlichen Grünanlagen ist das Aufsammeln kleiner Mengen vom Boden dagegen üblich und unproblematisch.
Varianten
- Variante 1
Das Fensterbild aus gepressten Blättern
Gepresste Blätter kommen zwischen zwei Lagen Transparentpapier oder in eine Laminierhülle und dann vor die Scheibe. Im Gegenlicht seht ihr die Blattadern. In diesem Moment zahlen sich die drei Wochen Warten aus.
- Variante 2
Blättertiere
Ein großes Blatt als Körper, kleine als Flügel oder Ohren, zwei Klebepunkte als Augen: Fuchs, Eule, Schmetterling, Igel. Auf ein Blatt Papier geklebt und mit Stift ergänzt, entsteht bei euch daraus in einer halben Stunde eine ganze Wand.
- Variante 3
Karten für den Dezember
Ein gepresstes Blatt auf einen gefalteten Bogen Karton geklebt, mehr braucht eine Karte nicht. Wenn ihr im Oktober presst, habt ihr im Dezember die Weihnachtspost fertig. Und euer Kind hat zehn Karten geklebt, statt zehn zu kaufen.
Häufige Fragen
Wie lange muss ich Blätter pressen?
Etwa drei Wochen. Besonders dicke Blätter können bis zu sechs Wochen brauchen. In dieser Zeit wechselt ihr das Zeitungspapier zwei- bis dreimal. Das ist wichtiger als die genaue Dauer.
Warum werden meine Blätter braun und fleckig?
Fast immer wegen Feuchtigkeit. Die Blätter waren beim Einlegen noch nass, sie haben sich überlappt, oder ihr habt das Zeitungspapier nicht gewechselt. Grüne Blätter werden außerdem immer bräunlich, weil das Blattgrün beim Trocknen zerfällt. Das ist normal. Darum sammelt ihr ja im Herbst.
Geht es auch schneller?
Ja, mit dem Bügeleisen. Ihr legt das Blatt zwischen Zeitungspapier und bügelt bei mittlerer Temperatur in Intervallen von 10 bis 15 Sekunden. Dazwischen lasst ihr es abkühlen. Nach ein paar Durchgängen ist das Blatt trocken. Die Farben leiden dabei stärker als beim langsamen Pressen. Für eine Karte am selben Abend ist es trotzdem die richtige Wahl.
Kann ich die Blätter in der Mikrowelle trocknen?
Davon würde ich euch abraten. Trockenes Pflanzenmaterial kann in der Mikrowelle anfangen zu kokeln. Und die Zeiten sind von Gerät zu Gerät völlig verschieden. Das Bügeleisen ist der kontrollierbare schnelle Weg, das Buch der gute langsame.
Wie bewahre ich gepresste Blätter auf?
Flach, dunkel und trocken, am besten wieder zwischen Papier in einem Buch oder in einer flachen Mappe. Wenn ihr sie aufrecht in eine Schachtel stellt, brechen sie. So halten sie jahrelang. Die Farbe verblasst mit den Jahren, die Form bleibt.
Die sechs Schritte mit Zeiten, die Sammelregel für unterwegs, der Bügeleisen-Trick und die Sicherheitshinweise – zum Ausdrucken und in den Beutel stecken.
Wo in Hamburg sich das Sammeln lohnt
Für die Runde davor: Im Kalender stehen Hamburgs Naturaktionen und Familienführungen im Herbst – Waldtage, Parkführungen, Ferienprogramme in den Grünanlagen. Mit vollem Beutel nach Hause zu kommen, ist dabei der Nebeneffekt.
Naturaktionen für Familien im Kalender →





