
Kastanientiere: Igel, Raupe und Spinne
Kastanientiere sind der Bastelnachmittag mit der besten Materialbilanz. Das Wichtigste liegt umsonst unter dem Baum, der Rest steckt in eurer Küchenschublade. Und es ist eine der wenigen Ideen, bei denen ein Dreijähriger und ein Zehnjähriger nebeneinander am selben Tisch etwas bauen, das beide gut finden.
Trotzdem hakt es oft an zwei Stellen, und die meisten Anleitungen erwähnen sie nicht. Frische Kastanien sind weich und lassen sich leicht durchstechen, schrumpeln aber innerhalb von zwei bis drei Wochen. Wenn ihr sie erst eine Woche in der Schale liegen lasst, bohrt ihr später gegen Holz. Und das Bohren bleibt bei euch Erwachsenen. Mit übertriebener Vorsicht hat das nichts zu tun.
Diese Anleitung geht der Reihe nach durch. Ihr erfahrt, welche Kastanien taugen, wer welchen Schritt macht und warum Zahnstocher hier die bessere Wahl sind als Streichhölzer.
Das braucht ihr
Die Liste reicht für einen Nachmittag mit zwei Kindern. Wie viel ihr braucht, bestimmen die Kastanien. Rechnet mit fünf bis acht pro Tier.

15–20 Rosskastanien
Sammelt sie frisch, sie sollten glänzend und ohne Risse sein. Sortiert beschädigte Exemplare aus, sie schimmeln zuerst und geben beim Bohren nach.
1 Packung Zahnstocher
Nehmt runde Zahnstocher, nicht die flachen. Sie sitzen stramm im gebohrten Loch, während flache sich drehen. Für Igelstacheln reicht eine halbe Packung.
6–8 Eicheln mit Hütchen
Die Hütchen sind der ganze Trick an den Figuren. Sie machen aus einer Kastanie einen Kopf mit Mütze. Findet ihr keine, nehmt eine kleinere Kastanie.
1 Ahle oder eine dicke Nadel
Eine Ahle aus dem Werkzeugkasten ist am sichersten, weil sie einen Griff hat. Ein Schaschlikspieß bricht ab, eine Bohrmaschine ist überdimensioniert.
1 Korken oder ein Holzbrett
Legt ihn unter die Kastanie, damit die Ahle nicht in den Tisch fährt und die Kastanie nicht wegrollt. Er ist der wichtigste 20-Cent-Gegenstand dieser Anleitung.
1 Päckchen selbstklebende Wackelaugen
Sie sind der schnellste Weg zum Gesicht und in diesem Alter der beliebteste. Selbstklebend heißt, ihr braucht keinen Kleber. Achtung, es sind Kleinteile, schaut dazu in den Sicherheitskasten.
1 schwarzer Filzstift
Er ist die Alternative zu den Wackelaugen, und so ein Stift ist immer im Haus. Ein feiner Permanentmarker hält auf der glatten Schale. Wasserlösliche Stifte verschmieren, sobald ein Kind das Tier anfasst.
1 Küchentuch
Zum Abtrocknen der gewaschenen Kastanien. Nasse Kastanien nehmen keinen Stift an.
1 flache Schale
Hier sammelt ihr die fertigen Tiere. Das klingt nebensächlich, verhindert aber, dass die Raupe beim Aufstehen vom Tisch rollt.
So geht's
Schritt 1
Kastanien aussuchen und abtrocknen
Kind
Wascht alle Kastanien kurz ab und trocknet sie auf dem Tuch. Dabei könnt ihr gleich sortieren. Was einen Riss hat oder matt und ledrig aussieht, kommt nicht in den Korb. An Rissen fängt der Schimmel an, und beim Bohren bricht so eine Kastanie auseinander.
Das Aussuchen können eure Kinder gut übernehmen. Die Regel passt in einen Satz: glänzend und glatt ja, rissig und stumpf nein. Das schafft schon ein Dreijähriger. Das Waschen hat noch einen zweiten Zweck. Danach sind die Hände sauber, und bei Kastanien ist das kein Detail. Mehr dazu steht im Sicherheitskasten.
Schritt 2
Die Löcher vorbohren
Erwachsene
Legt die Kastanie auf den Korken und setzt die Ahle senkrecht auf. Dann schiebt ihr sie mit leichtem Druck drehend hinein, ohne zu stechen. Die helle Stelle, mit der die Kastanie am Baum hing, ist die weichste und die beste Einstiegsstelle. Ein Loch von etwa 5 mm Tiefe reicht.
Dieser Schritt gehört euch Erwachsenen, ohne Ausnahme und in jedem Alter des Kindes. Die Ahle rutscht auf der runden Schale leicht ab, und die Hand, die die Kastanie hält, ist genau dort. Wenn ihr mehrere Tiere plant, bohrt besser alle Löcher am Stück vor, bevor die Kinder anfangen. Dann gibt es später keine Wartezeit mit einem spitzen Werkzeug auf dem Tisch.
Frische Kastanien geben nach wie ein fester Apfel. Fühlt es sich bei euch eher wie Holz an, sind die Kastanien zu alt. Dann hilft auch fester Drücken nicht mehr, ihr braucht neues Material.
Schritt 3
Beine stecken
Kind
Jetzt gehört der Tisch euren Kindern. Sie schieben die Zahnstocher in die vorgebohrten Löcher, so tief, dass sie halten. Vier Beine ergeben ein Tier, acht eine Spinne, zwanzig einen Igel.
Keine Sorge, der erste Versuch steht fast immer schief. Genau daran lernen eure Kinder an diesem Nachmittag am meisten: Die vier Beine müssen gleich lang sein und ungefähr im Quadrat stehen. Wollt ihr die Zahnstocher kürzen, knickt sie an der gewünschten Stelle zwischen zwei Fingern. Die raue Bruchkante hält im Loch sogar besser als die glatte Spitze.
Schritt 4
Den Kopf aufsetzen
Kind
Steckt einen kurzen Zahnstocher vorn in die Körper-Kastanie und setzt die Eichel darauf, fertig ist der Kopf. Die Eichel braucht dafür vorher ebenfalls ein Loch. Das bohrt ihr am besten schon in Schritt 2 mit.
Habt ihr keine Eicheln, nehmt eine zweite, kleinere Kastanie. Erst das Hütchen lässt die Figuren aber wie Figuren aussehen und nicht wie zwei Kastanien auf einem Stab. Wenn ihr beim nächsten Spaziergang nur eine Sache mitbringt, dann Eichelhütchen.
Schritt 5
Augen aufkleben oder aufmalen
Kind
Zwei Augen reichen, und ihr habt zwei Wege dorthin. Wackelaugen gehen schneller: abziehen, aufdrücken, fertig. Weil sie sich bewegen, sind sie in fast jedem Alter der Favorit. Der Filzstift ist die Variante, für die ihr nichts kaufen müsst. Er hält auf der glatten Schale nur, wenn sie trocken ist. Dafür war das Abtrocknen in Schritt 1 da.
Ein gemaltes Gesicht geht manchmal daneben. Dann hilft euch ein Trick, denn die Kastanie lässt sich drehen. Setzt euer Kind einen Strich daneben, dreht es die Kastanie eine Vierteldrehung weiter und fängt auf der leeren Seite neu an. Das geht dreimal, bevor es eng wird. Meistens braucht es das nur einmal.
Beim Aufkleben halten die Augen auf der glatten Kastanienschale schlechter als auf der rauen Eichel. Sollen sie auf die Kastanie, drücken eure Kinder sie fünf Sekunden fest an. Oder sie nehmen doch den Stift.
Schritt 6
Der Zoo wächst
Erwachsene + Kind
Ab jetzt läuft es bei euch von allein. Drei Bauformen funktionieren immer. Ein Igel ist eine Kastanie mit zwanzig kurzen Zahnstochern obendrauf. Eine Raupe besteht aus drei Kastanien gleicher Größe hintereinander, mit kurzen Zahnstocherstücken verbunden, vorn zwei Augen. Eine Spinne ist eine Kastanie mit acht seitlich eingesteckten Zahnstochern, die gerade abstehen und das Tier tragen. Zahnstocher lassen sich nicht biegen, ohne zu brechen. Was schräg abstehen soll, steckt ihr also schräg ein.
Die Figuren halten etwa zwei bis drei Wochen. Dann schrumpeln die Kastanien, und die Zahnstocher sitzen locker. Das ist bei Naturmaterial normal, ihr habt nichts falsch gemacht. Und es ist ein guter Anlass, im November noch einmal loszuziehen.
Gelingt sicher
- Erst bohren, dann bauen
- Bohrt alle Löcher am Stück vor, bevor eure Kinder an den Tisch kommen. Das klingt nach Spielverderben, ist aber das Gegenteil. Ein Kind, das zwischen zwei Beinen auf euch warten muss, verliert die Idee. Und die Ahle liegt dann nicht dreißig Minuten lang neben vier Händen auf dem Tisch.
- Zahnstocher statt Streichhölzer
- Streichhölzer sind der Klassiker, haben aber zwei Nachteile. Ihr müsst bei jedem erst den Kopf entfernen. Und Kinder unter sechs verstehen nicht, warum sie mit Streichhölzern basteln, aber nicht damit spielen dürfen. Runde Zahnstocher sitzen fester, sind länger und kosten dasselbe.
- Das Schrumpeln ist der Zeitplan
- Frische Kastanien lassen sich leicht durchbohren, trocknen aber nach. Wenn eure Tiere länger stehen sollen, baut sie in der ersten Woche nach dem Sammeln und stellt sie luftig. In einer geschlossenen Dose schimmeln sie. Wollt ihr dagegen hartes Material, lasst die Kastanien erst zwei Wochen offen liegen. Dann müsst ihr aber deutlich kräftiger bohren.
Für jedes Alter
- 0–3 · Kleinkind
- Das Stecken geht, das Bohren nicht. Und die Aufsicht ist hier keine Formsache. Eine Kastanie passt in einen Kindermund und hat genau die Größe, die im Hals stecken bleibt. Am besten bohrt ihr alle Löcher vorher. Dann liegen am Tisch nur noch Kastanien und Zahnstocher, und einer von euch Erwachsenen bleibt dabei.
- 4–6 · Kita & Vorschule
- In diesem Alter passt die Idee am besten. Vier Beine gleich lang stecken, Kopf aufsetzen, Augen malen, das schaffen eure Kinder alles selbst. Der Igel ist hier der Favorit, weil er kein Gleichgewicht braucht. Und zwanzig Stacheln beschäftigen länger als vier Beine.
- 7–10 · Grundschule
- Jetzt werden es Szenen statt Figuren: eine Familie, ein Fußballteam, ein Tier mit beweglichem Kopf. Geht euer Kind sicher mit Werkzeug um, darf es unter Aufsicht selbst bohren. Dabei liegt die Kastanie auf dem Korken, und die haltende Hand liegt nie vor der Spitze.
- ab 11 · Tweens & Teens
- Für Ältere wird es interessant, wenn eine Bedingung dazukommt: eine Figur, die ohne Kleber steht und sich bewegen lässt. Gelenke aus zwei Zahnstochern, ein Kopf, der sich dreht, eine Brücke, die zwei Figuren trägt. Damit landen eure Großen eher bei der Statik als beim Basteln.
Sicherheitshinweise
- Rosskastanien sind nichts zum Essen. Das Giftinformationszentrum-Nord und die Giftzentrale Bonn führen die Rosskastanie als gering giftig: Alle Pflanzenteile enthalten Saponine, besonders die grünen Schalen und unreifen Früchte. Eine verschluckte Kastanie führt meist zu Übelkeit, Bauchschmerzen oder Erbrechen.
- Die größere Gefahr bei kleinen Kindern ist nicht das Gift, sondern die Größe: Eine Kastanie wird bis zu 4 cm groß und kann als Fremdkörper im Hals oder im Magen stecken bleiben. Bei Kindern unter drei Jahren gehört deshalb jemand an den Tisch, der hinsieht.
- Wackelaugen sind Kleinteile und lösen sich von einer glatten Kastanienschale leichter, als einem lieb ist. Bei Kindern unter drei Jahren gehören sie nicht auf den Tisch – dort malt der Stift das Gesicht, und die fertigen Tiere werden nicht zum Spielzeug für die Kleinsten.
- Die Ahle bleibt in Erwachsenenhand, die Kastanie liegt beim Bohren auf einem Korken, und die haltende Hand liegt nie in Richtung der Spitze. Zwischen den Bohrgängen kommt die Ahle aus der Reichweite der Kinder.
- Nach dem Basteln Hände waschen, vor dem Essen sowieso.
- Im Notfall: Bei einer einzelnen verschluckten Kastanie reichlich trinken lassen. War die Frucht groß oder wurden mehrere verschluckt, ärztliche Hilfe holen. Giftnotruf Nord (für Hamburg): 0551 19240.
Varianten
- Variante 1
Kastanien-Kette statt Tier
Bohrt Kastanien mittig durch und zieht sie auf eine Schnur. So entsteht eine Kette, ein Türband oder ein Vorhang fürs Fenster. Ihr braucht nur einen einzigen Bohrgang pro Kastanie. Damit ist das die schnellste Variante für viele Kinder gleichzeitig.
- Variante 2
Die Kastanienbahn
Statt Figuren zu bauen, macht ihr die Kastanie zur Kugel. Dazu kommen eine schiefe Ebene aus Büchern, eine Rinne aus einer halbierten Küchenrolle und unten ein Becher als Tor. Für Kleinkinder ist das oft der bessere Nachmittag als das Basteln selbst.
- Variante 3
Der Waldboden auf dem Tablett
Die fertigen Tiere bekommen eine Landschaft. Ihr braucht ein Tablett, eine Handvoll Moos, zwei Zapfen und einen Spiegel als Teich. Das verlängert euren Nachmittag um eine Stunde und macht aus dem Basteln ein Spiel.
Häufige Fragen
Müsst ihr die Kastanien vorher trocknen?
Nein, im Gegenteil. Frische Kastanien lassen sich am leichtesten bohren, und darauf kommt es an. Dafür schrumpeln sie nach zwei bis drei Wochen. Wollt ihr Figuren, die länger halten, müsst ihr sie aus älteren, härteren Kastanien bauen. Beim Bohren braucht ihr dann mehr Kraft.
Warum schimmeln meine Kastanien?
Fast immer, weil sie zu dicht liegen. Kastanien brauchen Luft: offene Schale statt Tüte, getrennt von den grünen Hüllen, und vorher kurz abwaschen und abtrocknen. Beschädigte Exemplare fangen zuerst an und stecken die Nachbarn an. Darum sortiert ihr sie in Schritt 1 aus.
Rosskastanie oder Esskastanie?
Was im Park unter dem Baum liegt, ist fast immer die Rosskastanie: glänzend, rundlich, in einer grünen Hülle mit wenigen dicken Stacheln. Esskastanien, also Maronen, stecken in einer dicht bestachelten Hülle und sind spitz zulaufend. Für euren Bastelnachmittag reicht eine einfache Regel. Kastanien vom Baum sind Bastelkastanien, Esskastanien kommen vom Markt.
Was, wenn keine Ahle im Haus ist?
Eine dicke Stopfnadel geht, wenn sie in einem Korken oder einer Wäscheklammer steckt. Sonst habt ihr keinen Griff und rutscht ab. Ein Schaschlikspieß bricht, ein Schraubenzieher ist zu stumpf. Ein kleiner Handbohrer aus dem Baumarkt kostet wenige Euro. Wenn ihr jedes Jahr Kastanien bastelt, ist er die eigentlich richtige Antwort.
Klappt das auch ohne Bohren?
Für ganz kleine Kinder ja. Kastanien lassen sich mit Knete oder Wachsknete verbinden, und aus Kastanie plus Knetkugel plus Zahnstocher wird ebenfalls ein Tier. Es hält nicht so lange, braucht aber kein Werkzeug. So kann auch ein Zweijähriger bei euch wirklich selbst bauen.
Alle sechs Schritte, die Materialliste mit den Mengen, die drei Tipps und die Sicherheitshinweise – zum Ausdrucken und auf den Tisch legen.
Erst sammeln, dann basteln
Das Material liegt draußen. In Hamburg laufen über den Herbst Familienführungen, Waldtage und Naturaktionen in den Parks – ein guter Anlass, mit vollem Korb nach Hause zu kommen und den Nachmittag danach am Küchentisch zu verbringen.
Naturaktionen für Familien im Kalender →





