
Fledermäuse aus Klorollen
Es gibt wenige Basteleien, bei denen ihr so schnell seht, dass es wirklich nach etwas aussieht. Eine leere Papprolle ist schon der halbe Körper. Ihr drückt die obere Kante an zwei Stellen nach innen, und plötzlich hat das Ding zwei Ohren und schaut euch an.
Der Rest ist Farbe und ein Paar Flügel. Für Dreijährige reicht das Anmalen als ganzer Nachmittag. Schulkinder schneiden die Flügel selbst und bauen euch daraus in einer Stunde eine ganze Kolonie fürs Fenster.
Es ist auch eine der wenigen Halloween-Ideen, bei denen ganz nebenbei etwas Wahres hängen bleibt. Fledermäuse sind keine Gruseltiere. Sie sind die Nachbarn, die in Hamburg in jedem zweiten Altbaudach wohnen. Wenn ihr das einmal erzählt habt, schauen eure Kinder abends anders aus dem Fenster.
Das braucht ihr
Für vier Fledermäuse. Alles außer dem Tonpapier habt ihr vermutlich schon im Haus.

4 bis 5 leere Papprollen
Eine je Fledermaus, plus eine zum Üben. Das Ohren-Eindrücken wollen die Kinder ein paarmal wiederholen. Klopapierrollen sind der Klassiker. Wenn ihr dabei ein ungutes Gefühl habt, nehmt Küchenrollen und schneidet sie in vier Stücke. Diese Variante ist hygienisch unauffälliger und liefert nebenbei gleich lange Körper. Mehr dazu steht im Sicherheitskasten.
schwarze Farbe
Fingerfarbe für die Kleinen, Acryl für die Großen. Acryl deckt Pappe in einem Durchgang, Fingerfarbe braucht zwei. Dafür geht Fingerfarbe aus der Kleidung wieder raus. Wenn ihr gar keine schwarze Farbe habt, wickelt die Rolle in schwarzes Tonpapier und klebt es fest.
1 flacher Pinsel
Breit ist besser als fein. Eine Papprolle ist eine große glatte Fläche, und mit einem dünnen Pinsel malt ihr zehn Minuten an einem Streifen.
2 Bögen schwarzes Tonpapier
Für die Flügel. Ein Bogen DIN A4 reicht für zwei Fledermäuse. Zur Not tut es auch Zeitungspapier, das ihr gleich mit schwarz anmalt. Dann werden die Flügel aber weich und hängen.
1 Kinderschere
Nehmt eine mit abgerundeter Spitze. Tonpapier ist dicker als Druckerpapier. Wenn die Schere stumpf ist, knickt das Kind das Papier statt zu schneiden und gibt frustriert auf.
1 Klebestift
Nehmt ausdrücklich einen Stift und keinen Flüssigkleber. Auf Pappe weicht flüssiger Kleber die Rolle auf, und der Flügel rutscht so lange, bis jemand ihn festhält. Der Stift klebt sofort.
8 Wackelaugen
Die machen den Unterschied zwischen „schwarze Rolle" und „Tier". Es gehen auch zwei Kreise aus weißem Papier mit einem Filzstiftpunkt darauf. Für Kinder unter drei ist das sogar die bessere Wahl, schaut dazu in den Sicherheitskasten.
dünner Faden
Den braucht ihr nur, wenn die Fledermäuse hängen sollen. Nähgarn reicht. Es ist dünn genug, dass ihr es vor dem Fenster kaum seht.
So geht's
Schritt 1
Die Rollen schwarz anmalen
Kind
Legt Packpapier oder Zeitung unter. Dann malen eure Kinder die Rollen rundherum an, außen vollständig und innen etwa zwei Zentimeter tief. Beim Blick in die offene Rolle schaut nämlich sonst genau dort braune Pappe durch.
Mit Acryl dauert das fünf Minuten, mit Fingerfarbe braucht ihr zwei Durchgänge. Danach muss die Farbe wirklich trocken sein, sonst klebt gleich der Flügel nicht. Zwanzig Minuten sind ein guter Richtwert. In der Zwischenzeit könnt ihr gut schon die Flügel vorbereiten.
Schritt 2
Aus der Rolle wird ein Kopf
Kind
Jetzt kommt der Handgriff, der aus einer Rolle ein Tier macht. Eure Kinder drücken die obere Kante mit beiden Daumen an zwei Stellen nach innen, etwa daumenbreit auseinander. Dazwischen bleiben zwei Spitzen stehen, und das sind die Ohren.
Die Pappe merkt sich das von selbst, ihr müsst nichts kleben. Manchmal stehen die Ohren zu weit auseinander, dann sieht es aus wie eine Katze. Haltet euch an eine Daumenbreite Abstand, das trifft es. Diesen Schritt machen kleine Kinder am liebsten zehnmal. Legt euch also ruhig eine Rolle mehr dazu.
Schritt 3
Die Flügel ausschneiden
Erwachsene + Kind
Halbiert den Tonpapierbogen quer und zeichnet auf jede Hälfte ein liegendes Flügelpaar. Oben kommt eine gerade Kante von etwa zwölf Zentimetern hin. Unten zeichnet ihr drei bis vier Bögen, die nach innen zeigen. Diese Zacken sind das ganze Geheimnis. Gerade Flügel sehen aus wie ein Vogel, gezackte wie eine Fledermaus.
Wenn ihr es leichter haben wollt, faltet das Papier einmal in der Mitte. Zeichnet nur einen halben Flügel an die Faltkante und schneidet durch beide Lagen. Dann sind beide Seiten gleich, und euer Kind muss nur einer Linie folgen statt zwei. Die Vorlage im PDF unten hat genau diese Form in Originalgröße.
Schritt 4
Flügel und Augen ankleben
Kind
Legt die Rolle hin. Zieht den Klebestift satt über die Rückseite und drückt das Flügelpaar mittig auf. Zehn Sekunden festhalten heißt es dann. Mehr Geduld braucht ihr bei der ganzen Bastelei nicht, und davon hängt ab, ob der Flügel morgen noch dran ist.
Dann kommen die Augen dran, dicht nebeneinander und direkt unter die Ohren. Je näher sie beieinander sitzen, desto freundlicher schaut die Fledermaus. Wenn ihr wollt, malt ihr mit weißem Stift noch zwei kleine Zähne darunter. Haltet sie aber wirklich klein, sonst wird aus dem Tier ein Monster.
Schritt 5
Aufhängen oder aufstellen
Erwachsene + Kind
Zum Aufstellen müsst ihr nichts mehr tun. Die Rolle steht von allein, und vier davon auf einem Fensterbrett sind schon eine Kolonie. Zum Aufhängen stecht ihr mit der Scherenspitze zwei kleine Löcher oben in die Rolle, zieht den Faden durch und verknotet ihn. Das übernehmt ihr Erwachsenen.
Am schönsten hängen sie auf verschiedenen Höhen vor einem Fenster. Dann drehen sie sich im Luftzug, und bei tief stehender Sonne wandern ihre Schatten über die Wand. In diesem Moment hat sich der ganze Nachmittag für euch ausgezahlt.
Gelingt sicher
- Fledermäuse sind keine Gruseltiere – sie sind Nachbarn
- In Hamburg leben 14 der 25 in Deutschland heimischen Fledermausarten. Die häufigste davon ist vermutlich die Zwergfledermaus. Ausgewachsen ist sie kaum schwerer als zwei Stück Würfelzucker und würde in eine Streichholzschachtel passen. Sie wohnt hinter Fassadenverkleidungen, in Rollladenkästen und Dachspalten, also mitten in der Stadt. Alle Arten sind streng geschützt. Die Quartiere dürfen auch dann nicht zerstört werden, wenn gerade keine Fledermaus drin ist. Geht im August oder September abends ans Wasser, an die Alster, die Kanäle oder den Stadtparkteich. Kurz nach Sonnenuntergang seht ihr dort fast sicher welche jagen.
- Warum eigentlich Halloween?
- Der Ursprung ist rund 2.000 Jahre alt und keltisch. Samhain hieß das Fest am Übergang von der Erntezeit zum Winter, gefeiert in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November. Der Name kommt vom englischen „All Hallows' Eve", dem Abend vor Allerheiligen. Allerheiligen fällt seit dem Jahr 835 auf den 1. November. Die leuchtenden Gesichter wurden in Irland ursprünglich in Rüben geschnitzt, Kürbisse gab es dort nicht. Erst als irische Auswanderer im 19. Jahrhundert nach Nordamerika kamen, wurde aus der Rübe der Kürbis. Zurück nach Europa kam das Fest dann im 20. Jahrhundert über Filme und amerikanische Soldaten. Für eure Kinder ist das eine der schönsten Geschichten des Herbstes. Der Kürbis ist eigentlich eine Rübe, die ausgewandert ist.
- Wenn es schnell gehen muss
- Ohne Farbe geht es auch. Wickelt die Rolle in schwarzes Tonpapier, klebt es mit dem Klebestift fest und drückt oben die Ohren ein. Das dauert drei Minuten statt einer halben Stunde, und die Trockenzeit fällt weg. Es sieht sogar etwas sauberer aus. Nur macht das Anmalen euren Kindern deutlich mehr Freude als das Wickeln.
- Der Fehler, der allen passiert
- Die Flügel werden meistens zu groß gemalt. Wenn ein Flügelpaar breiter ist als eine Handspanne, fällt die Rolle nach hinten um, sobald sie steht. Beim Aufhängen dreht sich das Ganze auf die Seite. Zwölf Zentimeter Gesamtbreite passen zu einer Klorolle. Wenn ihr mehr wollt, müsst ihr die Rolle unten mit etwas Knete beschweren.
Für jedes Alter
- 0–3 · Kleinkind
- Anmalen klappt bei den Kleinsten, alles andere macht ihr mit. Die Wackelaugen lasst ihr bitte weg und klebt stattdessen zwei Kreise aus weißem Papier auf. Ein Wackelauge hat genau die Größe, die in den Mund passt und dort nichts zu suchen hat. Für diese Altersgruppe ist das Bemalen ohnehin der ganze Punkt. Eine große glatte Fläche, ein dicker Pinsel, und am Ende ist etwas schwarz, das vorher braun war.
- 4–6 · Kita & Vorschule
- Hier liegt das Kernalter. Anmalen, Ohren eindrücken, Augen aufkleben, das schaffen eure Kinder alles allein. Beim Flügelschneiden hilft es, wenn ihr die Form vorzeichnet und nur die Schere übergebt. Freihändig wird die Zackenkante in diesem Alter meist ein Bogen. Wenn die Kinder vier Fledermäuse schaffen, wollen sie beim nächsten Mal acht.
- 7–10 · Grundschule
- Jetzt wird es ein Projekt statt einer Bastelei. Eure Kinder können Flügel selbst entwerfen, mit der Falttechnik symmetrisch schneiden und Größen variieren. Zum Beispiel eine große Mutterfledermaus und drei kleine daneben. Wenn sie Lust haben, suchen sie die Hamburger Arten heraus und beschriften jede Fledermaus: Zwergfledermaus, Großer Abendsegler, Wasserfledermaus.
- ab 11 · Tweens & Teens
- Für Ältere liegt das Interessante im Aufhängen. Sie können ein Mobile aus Faden und einem Holzstab bauen, bei dem alle Fledermäuse waagerecht hängen. Das erfordert Ausbalancieren und ist deutlich kniffliger als die Bastelei selbst. Alternativ macht ihr ein Schattenspiel. Mit einer Taschenlampe von unten wandert die Kolonie über die ganze Zimmerdecke.
Sicherheitshinweise
- Zu den Klopapierrollen: Ob man damit basteln sollte, ist eine echte Streitfrage und keine ausgemachte Sache. Der Einwand lautet, dass die Rolle zuerst im Bad war und dabei mit Keimen in Kontakt gekommen sein kann; einige Kitas verzichten deshalb darauf, weil dort Material aus vielen Haushalten zusammenkommt. Für den eigenen Haushalt wird das Risiko dagegen als gering eingeschätzt, und in den Sicherheitsvorgaben für Kitas taucht das Thema gar nicht auf. Wer sichergehen will, nimmt leere Küchen- oder Geschenkpapierrollen – die gelten als unbedenklich und sind sonst identisch. Händewaschen danach ist ohnehin die Regel.
- Wackelaugen sind Kleinteile. Kinder unter vier Jahren bekommen Kleinteile besonders häufig in die Atemwege, und runde glatte Gegenstände sind dabei die typische Ursache. Bei Kindern unter drei Jahren deshalb keine Wackelaugen verwenden, sondern aufgemalte oder aus Papier geklebte Augen – und die Packung beim Basteln nicht offen stehen lassen.
- Die Schere gehört in Kinderhand nur mit abgerundeter Spitze, und die Löcher für den Faden stechen Erwachsene. Eine Scherenspitze durch Pappe zu drücken braucht mehr Kraft, als man denkt – und sie rutscht ab, wenn die Rolle nicht flach aufliegt.
- Acrylfarbe ist nach dem Trocknen unbedenklich, feucht aber nicht zum Ablecken gedacht und geht aus Textilien kaum wieder heraus. Für Kinder unter vier lieber Fingerfarbe, ein altes T-Shirt und Zeitung unter die Rollen.
- Wenn die Fledermäuse hängen sollen: kurze Fäden, und nicht in Reichweite eines Kinderbetts oder Laufgitters. Lose Schnüre und Bänder in Kinderhöhe sind eine bekannte Strangulationsgefahr – vor dem Fenster im Wohnzimmer sind sie richtig, über dem Bett nicht.
Varianten
- Variante 1
Die Kolonie fürs Fenster
Acht bis zehn Fledermäuse in verschiedenen Größen, alle auf unterschiedlicher Höhe vor dieselbe Scheibe gehängt. Von der Straße aus sieht das aus wie ein Schwarm, der gerade auffliegt. Für die kleinen nehmt ihr Küchenrollen-Stücke von drei Zentimetern, für die große eine ganze Küchenrolle.
- Variante 2
Die Fledermaus, die leuchtet
Stellt ein LED-Teelicht in die stehende Rolle. Durch die eingedrückten Ohren fällt Licht nach oben, und die Augen bekommen einen Schimmer. Nehmt nur LED, nie eine echte Kerze. Pappe und Flamme sind keine Kombination, die ihr auf einem Fensterbrett unbeaufsichtigt lasst. Und seid vorsichtig mit dem Batteriefach, mehr dazu in den Sicherheitshinweisen.
- Variante 3
Spinnen statt Fledermäusen
Dieselbe Rolle, andere Anbauteile: acht Streifen schwarzes Tonpapier als Beine. Zieht sie über die Scherenkante, damit sie sich kringeln. Die Ohren drückt ihr dann nicht ein, die Rolle bleibt rund. Wenn ihr beides baut, habt ihr mit einer einzigen Farbschicht zwei Tiere.
- Variante 4
Die Nacht-Version
Malt die Rolle statt schwarz einmal dunkelblau an und tupft mit einem weißen Stift kleine Punkte darauf. Das sieht aus wie ein Nachthimmel in Fledermausform. Wenn eure Kinder schwarz zu düster finden, ist das die freundlichere Fassung.
Häufige Fragen
Wie viele Klorollen brauche ich wirklich?
Ihr braucht eine pro Fledermaus, plus ein bis zwei zum Üben. Das Ohren-Eindrücken wollen die Kinder ein paarmal wiederholen, und die erste Rolle wird oft zu tief oder zu weit außen gedrückt. Vier fertige Fledermäuse sind eine gute Menge für einen Nachmittag. Darüber hinaus wird es Fließbandarbeit.
Die Flügel fallen immer wieder ab – was mache ich falsch?
Fast sicher liegt es an einem von zwei Dingen. Entweder war die Farbe noch nicht ganz trocken, oder ihr habt Flüssigkleber genommen. Klebestift auf trockener Acrylfarbe hält sofort und dauerhaft. Wenn es bei euch trotzdem nicht hält, hilft ein Streifen Klebeband auf der Rückseite. Von vorn seht ihr ihn nicht.
Geht das auch ohne schwarze Farbe?
Ja, auf zwei Wegen. Ihr wickelt die Rolle mit schwarzem Tonpapier um und klebt es fest, oder ihr lasst die Rolle einfach braun. Braune Fledermäuse sind übrigens biologisch die richtigeren. Die meisten heimischen Arten sind erdbraun und nicht schwarz. Nur sieht Schwarz an Halloween eben besser aus.
Sind Fledermäuse an Halloween nicht ein bisschen gemein den Tieren gegenüber?
Das lässt sich gut umdrehen. Beim Basteln habt ihr den besten Aufhänger, um zu erzählen, dass Fledermäuse weder Blut trinken noch sich in Haaren verfangen. Sie fressen jede Nacht Hunderte Mücken und stehen in Hamburg unter strengem Schutz. Kinder, die das einmal gehört haben, erzählen es mit einer gewissen Genugtuung weiter.
Wie lange halten die Fledermäuse?
Jahrelang, wenn sie trocken hängen. Pappe verzieht sich nur bei Feuchtigkeit. Hängt sie also nicht ans gekippte Fenster oder in der Küche über den Herd. Nach Halloween legt ihr sie flach in einen Karton, dann sind sie im nächsten Jahr wieder da.
Die fünf Schritte zum Mitlesen am Basteltisch, dazu die Materialliste und die Sicherheitshinweise.
Halloween in Hamburg
Wenn die Kolonie hängt und der Abend noch lang ist: Im Kalender stehen Hamburgs Halloween-Termine für Familien – Kürbisfeste, Grusel-Führungen, Bastelnachmittage und Umzüge in den Stadtteilen.
Halloween-Termine im Kalender →





