
Taschentuch-Gespenster
Ende Oktober geht jedes Jahr eine Bastelidee durch alle Kitas, und das zu Recht: Gespenster aus Papiertaschentüchern. Ihr braucht nichts, was ihr extra kaufen müsstet. Ein Kind schafft in zehn Minuten drei Stück. Am Ende hängt bei euch etwas am Fenster, das von draußen wirklich wie eine kleine Geisterschar aussieht.
Schiefgehen kann nur ein Schritt, das Abbinden. Bindet ihr zu locker, rutscht der Kopf heraus. Bindet ihr zu fest, reißt das Taschentuch. Dazwischen liegt aber ein ziemlich breiter Bereich. Deshalb gehört diese Anleitung zu den wenigen, bei denen fast nichts misslingen kann.
Wenn es bei euch schnell gehen muss, hat diese Bastelei das beste Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Das kann ein Nachmittag vor Halloween sein, ein Regensamstag oder der Abend, an dem noch Deko für morgen fehlt.
Das braucht ihr
Diese Mengen reichen euch für acht bis zehn Gespenster. Mehr als drei will ohnehin niemand, es werden immer mehr.

8–10 weiße Papiertaschentücher
Nehmt einfache, weiße, unbedruckte Tücher. Vierlagige Tücher sind stabiler, dreilagige fallen schöner. Habt ihr beides da, probiert beides aus.
1 Handvoll Watte
Watte aus dem Bad, ein Wattepad oder einfach ein zweites, zusammengeknülltes Taschentuch. Die Kugel muss nur rund und leicht sein, nichts weiter.
1 Rolle dünnes Garn
Nähgarn, Küchengarn oder Bastelschnur. Dünn ist besser als dick: Ein dicker Faden staucht das Taschentuch, ein dünner bindet sauber ab.
1 schwarzer Filzstift
Nehmt einen feinen Stift, keinen dicken Marker. Auf Papiertaschentuch läuft dicke Tinte sofort aus. Probiert ihn am besten vorher auf einem Resttuch aus.
1 Schere
Ihr braucht sie zum Abschneiden des Fadens. Das macht ein Erwachsener, oder euer Kind nimmt eine Kinderschere. Mehr wird in dieser Anleitung nicht geschnitten.
1 kahler Zweig
Er ist zum Aufhängen. Ein Zweig vom letzten Spaziergang, eine Gardinenstange oder ein gespannter Faden zwischen zwei Möbeln. Alles geht, solange es über Kinderkopfhöhe hängt.
So geht's
Schritt 1
Die Kugel für den Kopf
Kind
Rollt etwas Watte zwischen den Handflächen zu einer Kugel. Sie sollte etwa so groß wie eine Walnuss sein, also rund 3 cm. Habt ihr keine Watte, knüllt ein zweites Taschentuch fest zusammen. Das seht ihr später nicht.
Größer ist nicht besser: Eine zu dicke Kugel zieht das Tuch straff. Dann fehlen die Falten, die ein Gespenst erst zum Gespenst machen. Euer Kind darf hier ruhig mehrere Kugeln auf Vorrat drehen. Dieser Teil lässt sich gut nebenbei machen.
Schritt 2
Das Taschentuch drüberlegen
Kind
Faltet das Taschentuch ganz auseinander und legt es mittig über die Kugel. Dann streicht ihr die Ecken nach unten, sodass das Tuch rundherum gleich weit herunterhängt.
Mittig ist hier das einzige Kriterium, und es lohnt sich. Liegt die Kugel außermittig, hängt das fertige Gespenst später schief. Euer Kind merkt das selbst, wenn ihr ihm sagt, es soll von oben draufschauen.
Schritt 3
Den Hals abbinden
Erwachsene + Kind
Legt ein etwa 20 cm langes Stück Garn direkt unter der Kugel herum und zieht es zu einem doppelten Knoten. Euer Kind hält den Kopf fest, und ihr zieht. Kann euer Kind schon Knoten, geht es auch umgekehrt.
Fest genug heißt, dass das Tuch nicht nach unten rutscht, wenn ihr das Gespenst am Kopf hochhebt. Zu fest heißt, dass das Papier am Knoten einreißt. Dazwischen ist viel Platz, und beim zweiten Gespenst sitzt es meistens.
Lasst die Fadenenden lang und schneidet sie nicht ab. Daraus wird gleich eure Aufhängung.
Schritt 4
Das Gesicht
Kind
Zwei Augen reichen. Wenn ihr wollt, malt noch einen runden Mund dazu. Mehr verträgt das Tuch nicht, weil die Tinte in den Fasern ausläuft. Aus drei Strichen wird so schnell ein grauer Fleck.
Gegen den Fleck hilft ein Trick, nämlich Punkten statt Malen. Setzt den Stift kurz auf und hebt ihn wieder ab, statt ihn darüberzuziehen. Haltet den Kopf dabei fest, sonst dreht sich euer Gespenst unter dem Stift weg.
Wenn ihr ein besonders ausdrucksvolles Gesicht wollt, malt die Augen unterschiedlich groß. Das wirkt sofort lebendiger als zwei gleich große Punkte. Der Tipp funktioniert bei jedem gemalten Gesicht.
Schritt 5
Aufhängen
Erwachsene + Kind
Verknotet die beiden Fadenenden und hängt sie über den Zweig. Unterschiedliche Längen sind das Einzige, worauf es hier ankommt. Hängen eure Gespenster alle auf gleicher Höhe, sehen sie aus wie eine Wäscheleine. Auf verschiedenen Höhen sehen sie aus wie eine Schar.
Der beste Platz ist ein Fenster, an dem abends Licht von innen kommt. Von der Straße aus sehen die Gespenster dann durchscheinend aus. Wichtig ist, dass ihr sie hoch genug hängt. Kein kleines Kind darf an die Fäden kommen (siehe Sicherheitskasten).
Gelingt sicher
- Erst zehn Köpfe, dann zehn Gespenster
- Wie beim Plätzchenbacken lohnt sich die Fließbandmethode: erst alle Wattekugeln drehen, dann alle Tücher drüberlegen, dann alle abbinden. Das geht deutlich schneller als Gespenst für Gespenst. Und es verhindert, dass euer Kind nach dem ersten fertigen Stück aufhört.
- Das Tuch wird schöner, wenn es hängt
- Frisch gebunden steht das Taschentuch oft steif ab. Nach ein paar Stunden am Faden fällt es weich und faltig, so wie ein Gespenst aussehen soll. Wollt ihr das Ergebnis sofort, zieht die Ecken einmal sanft nach unten aus.
- Wenn der Stift ausläuft
- Papiertaschentuch saugt. Ein feiner Fineliner hält besser als ein Filzstift, und ein Kugelschreiber reißt das Papier auf. Habt ihr nur dicke Stifte, sind ein aufgeklebter Punkt aus schwarzem Papier oder zwei Klebepunkte die zuverlässigere Lösung. Für ganz kleine Kinder sind sie ohnehin die bessere.
Für jedes Alter
- 0–3 · Kleinkind
- Kugeln rollen und Tücher drüberlegen könnt ihr schon mit Zweijährigen, das Abbinden übernehmt ihr. Statt zu malen, klebt ihr in diesem Alter besser Punkte auf. Die fertigen Gespenster hängen außer Reichweite. Watte und lange Fäden gehören nicht in Kinderhände, wenn niemand danebensteht.
- 4–6 · Kita & Vorschule
- Hier liegt das Kernalter. Alles außer dem Knoten klappt allein, und den Knoten schafft ihr zu zweit. Jetzt entsteht auch zum ersten Mal die Idee, dass die Gespenster Namen bekommen und eine Familie sind. Dann werden es bei euch zwölf.
- 7–10 · Grundschule
- Ab hier wird aus der Bastelaufgabe eine Deko-Aufgabe. Ihr könnt ein Gespenster-Mobile mit Zweig und Gleichgewicht bauen, einen ganzen Fenstervorhang oder Gespenster in verschiedenen Größen vom Riesen bis zum Baby. Hat euer Kind Lust, schreibt es eine kurze Geistergeschichte dazu und hängt sie daneben.
- ab 11 · Tweens & Teens
- Für Ältere trägt die Idee nur noch als Technik für etwas Größeres. Ihr nehmt dann eine Stoffserviette statt Taschentuch, einen Tischtennisball als Kopf und ein LED-Teelicht innen. Das sieht nicht mehr nach Kitabastelei aus und hält mehrere Jahre.
Sicherheitshinweise
- Der Faden ist der Punkt, an dem diese Idee wirklich Aufsicht braucht. Fertige Gespenster hängen so hoch, dass kleine Kinder nicht an die Schnüre kommen, und niemals über einem Bett, einem Laufstall oder einer Wickelkommode. Lose Fadenenden kurz schneiden, statt sie herunterhängen zu lassen.
- Watte, Wattepads und kleine Papierkugeln sind Kleinteile. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass Kinder unter vier Jahren besonders häufig Kleinteile in die Atemwege bekommen – bei Kindern unter drei Jahren bleibt jemand am Tisch, und der Wattebeutel steht nicht offen daneben.
- Filzstifte für Kinder tragen die Spielzeugnorm DIN EN 71; Teil 7 regelt die Inhaltsstoffe von Fingerfarben und Kinderfarben. Stifte aus dem Bürobedarf haben diese Prüfung nicht durchlaufen – was für ein Schulkind unerheblich ist, bei einem Dreijährigen aber den Unterschied macht, weil der Stift im Mund landet.
- Keine Kerzen in der Nähe. Papiertaschentuch brennt sofort, und die Gespenster hängen genau dort, wo im Herbst gern ein Teelicht steht. Wenn Licht, dann LED.
Varianten
- Variante 1
Der Gespenster-Vorhang
Statt eines Zweigs könnt ihr einen gespannten Faden quer vor dem Fenster nehmen. Daran hängen dann zehn bis fünfzehn Gespenster in unterschiedlichen Höhen. Von der Straße aus ist das die Variante, die am meisten hermacht. Und sie ist nicht mehr Arbeit, nur mehr Taschentücher.
- Variante 2
Gespenster als Tischdeko
Für den Tisch macht ihr kleinere Gespenster ohne Aufhängefaden. Unten ins Tuch kommt dafür ein Wattebausch als Standfuß. Die stehen dann neben dem Teller, und jedes Kind bekommt eins mit seinen eigenen Augen.
- Variante 3
Der Lolli im Gespenst
Nehmt statt der Wattekugel einen eingewickelten Lutscher. Der Stiel zeigt nach unten, das Tuch kommt darüber, dann bindet ihr ab. Das passt als Mitgebsel für den Kindergeburtstag oder für das, was ihr an der Tür verteilt. Der Stiel ist dann gleichzeitig der Griff.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter geht das?
Ab etwa drei Jahren machen Kinder die meisten Schritte selbst. Sie rollen die Kugel, legen das Tuch drüber und malen das Gesicht. Beim Abbinden braucht euer Kind bis etwa fünf eine zweite Hand. Für Zweijährige ist es eine Zuschauer- und Zureich-Aufgabe, aber eine, die trotzdem Freude macht.
Was, wenn das Taschentuch beim Abbinden reißt?
Dann war der Faden zu fest angezogen oder zu dünn eingeschnitten. Ein dickeres Garn verteilt den Druck besser. Keine Sorge, ein kleiner Riss unterhalb des Knotens fällt am fertigen Gespenst gar nicht auf. Erst wenn der Kopf durchrutscht, müsst ihr neu ansetzen.
Wie lange halten die Gespenster?
Am Fenster halten sie den ganzen Herbst, wenn niemand sie anfasst. Papiertaschentuch vergilbt nicht und knittert nur dort, wo Hände hinkommen. Nach der Saison könnt ihr sie flach in einen Umschlag legen und im nächsten Jahr wieder aufhängen. Die Falten fallen beim Hängen wieder heraus.
Geht das auch ohne Watte?
Ja. Am einfachsten nehmt ihr ein zweites Taschentuch und knüllt es fest zusammen. Auch ein Tischtennisball, eine zerknüllte Alufolienkugel oder ein Stück Küchenrolle funktionieren. Es geht nur um eine leichte, runde Form.
Könnt ihr die Gespenster bunt machen?
Ihr könnt, aber es lohnt sich selten. Farbige Taschentücher sind meist bedruckt, und der Druck sieht im Gegenlicht nach Serviette aus statt nach Gespenst. Wenn ihr Farbe wollt, nehmt farbiges Garn zum Abbinden. Das sieht aus wie ein Halstuch und bleibt weiß, wo es weiß sein soll.
Die fünf Schritte, die Materialliste, die drei Tipps und die Sicherheitshinweise – zum Ausdrucken für den Basteltisch oder die Kita-Gruppe.
Und wo geht es damit hin?
Ende Oktober laufen in Hamburg Halloween-Aktionen für Familien – Kürbisfeste, Grusel-Führungen, Bastelnachmittage in Büchereien und Museen. Die Gespenster dürfen mit.
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