
Tanzende Rosinen im Sprudelwasser
Kein Experiment im Haus bringt so viel für so wenig Aufwand. Ihr braucht ein Glas, eine Flasche Mineralwasser und Rosinen. Nach einer Minute fangen die Rosinen an, auf und ab zu fahren. Das geht langsam und unregelmäßig, wie in Zeitlupe. Eure Kinder schauen dem erfahrungsgemäß zehn Minuten am Stück zu.
Ihr seht dabei nichts Geheimnisvolles, nur das, was auch einen Schwimmflügel trägt. Die Rosine ist schwerer als Wasser und sinkt. Am Boden setzen sich Bläschen an ihre raue Oberfläche, und irgendwann tragen die Bläschen sie hoch. Oben zerplatzen sie, und die Rosine sinkt wieder.
Weil das Ergebnis so verlässlich kommt, eignet sich der Versuch gut als euer erstes echtes Experiment. Vorher stellt ihr eine Vermutung auf, nachher macht ihr die Gegenprobe. Dazu kommt eine Erklärung, die ein Fünfjähriger nachvollziehen kann.
Das braucht ihr
Die Liste ist für ein Glas. Wenn ihr vergleichen wollt, nehmt zwei Gläser und zweierlei Wasser. Dieser Vergleich ist der interessantere Teil.

1 hohes klares Glas
Je höher, desto länger die Strecke und desto besser der Effekt. Nehmt lieber ein schlankes Wasserglas als eine breite Schale. Im Breiten verteilen sich die Rosinen, im Schlanken fahren sie übereinander.
1 Flasche Mineralwasser mit viel Kohlensäure
Nehmt „Classic" oder „Spritzig", nicht „Medium" und schon gar nicht „Still". Die Flasche sollte frisch geöffnet sein. Wenn sie seit gestern offen im Kühlschrank steht, hat sie die Kohlensäure schon verloren. Daran scheitert der Versuch am häufigsten.
1 Handvoll Rosinen
Ganz normale Backrosinen reichen. Dass es funktioniert, liegt an ihrer runzeligen Oberfläche. An einer glatten Kugel finden die Bläschen keinen Halt.
1 Flasche stilles Wasser
Das braucht ihr für die Gegenprobe. Wenn ihr den Versuch nur einmal macht, seht ihr ein hübsches Phänomen. Macht ihr ihn zweimal, habt ihr ein Experiment.
ein paar Linsen, Reiskörner und ein Maiskorn
Ihr könnt sie weglassen, aber für ältere Kinder sind sie der beste Teil. Womit klappt es noch? Glatte Dinge tanzen nicht, raue schon.
1 Uhr oder Küchenwecker
Damit zählt ihr, wie lange der Tanz anhält. Das klingt nach Schule, aber genau hier fangen eure Kinder an, zu messen statt zu schauen.
Sicherheitshinweise
- Rosinen sind klein, weich und rund – also genau die Form, mit der sich Kleinkinder verschlucken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass Kinder unter vier Jahren besonders häufig Kleinteile in die Atemwege bekommen und dass kleine, harte oder glatte Lebensmittel die typische Ursache sind. Bei Kindern unter drei Jahren bleibt jemand am Tisch.
- Das Wasser aus dem Versuchsglas wird nicht getrunken. Nicht, weil etwas Schädliches darin wäre, sondern weil Hände, Linsen, Reiskörner und eine halbe Stunde Zimmerwärme dazugekommen sind. Wer Durst hat, bekommt ein eigenes Glas.
- Ein hohes Glas auf einem Kindertisch kippt leicht. Für kleine Kinder ein Becher aus Kunststoff – der Effekt ist derselbe, solange er durchsichtig ist.
- Reis- und Maiskörner kommen nach dem Versuch in den Müll, nicht zurück in die Vorratsdose.
So geht's
Schritt 1
Das Glas füllen
Kind
Füllt das Glas etwa drei Viertel hoch mit frisch geöffnetem Mineralwasser. Randvoll braucht ihr es nicht. Die Rosinen verdrängen Wasser, und oben soll noch Platz sein.
Lasst es kurz stehen, bis der grobe Schaum weg ist. Solange Schaum obenauf liegt, seht ihr nicht, was unten passiert. Und unten passiert der interessante Teil.
Schritt 2
Erst raten, dann Rosinen hineingeben
Kind
Bevor ihr die Rosinen hineinwerft, stellt ihr die wichtigste Frage des Nachmittags: Was passiert – schwimmen sie oder gehen sie unter? Jede Antwort zählt. Alle liegen daneben, weil beides passiert.
Jetzt lasst ihr fünf bis sechs Rosinen einzeln hineinfallen, nicht alle auf einmal. Zu viele auf einmal kleben am Boden aneinander und heben sich gegenseitig auf. Zuerst sinken alle Rosinen zu Boden. An dieser Stelle halten viele den Versuch für misslungen. Keine Sorge, das ist richtig so.
Schritt 3
Warten und hinsehen
niemand – Geduld
Nach etwa einer Minute geht es los. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr, wie sich an der runzeligen Oberfläche der Rosinen Bläschen absetzen. Erst sind es wenige, dann immer mehr. Irgendwann löst sich die erste Rosine und steigt nach oben.
Oben zerplatzen die Bläschen an der Wasseroberfläche. Die Rosine wird wieder schwerer als das Wasser und sinkt zurück. Dann fängt es von vorne an. Der Tanz hält an, solange Kohlensäure im Wasser ist. Je nach Marke und Glasgröße könnt ihr zehn bis dreißig Minuten zuschauen.
Schritt 4
Die Gegenprobe mit stillem Wasser
Erwachsene + Kind
Nehmt ein zweites Glas mit stillem Wasser und dieselben Rosinen in derselben Anzahl. Die Rosinen sinken und bleiben unten. Nichts bewegt sich, so lange ihr auch wartet.
Mit diesem Schritt wird aus dem Zaubertrick ein Experiment. Wenn euer Kind beide Gläser nebeneinander sieht, kann es selbst sagen, woran es liegt: Im einen sind Bläschen, im anderen nicht. Diese Antwort ist mehr wert als jede Erklärung von außen.
Schritt 5
Was tanzt noch?
Kind
Jetzt darf alles hinein, was klein ist und bei euch im Haus liegt: Linsen, Reis, ein Maiskorn, ein Stück Nudel, eine Erbse. Vorher wird immer erst geraten.
Dabei merkt ihr die Regel ganz von selbst: Raue Oberflächen tanzen, glatte nicht. An einer glatten Linse rutschen die Bläschen ab. An einer runzeligen Rosine bleiben sie hängen. Was zu schwer ist, bleibt liegen, egal wie rau es ist.
Gelingt sicher
- Was passiert da? Die Erklärung für Kinder
- Im Sprudelwasser steckt ein Gas: Kohlenstoffdioxid. Es ist viel leichter als Wasser und will nach oben. Das sind die Bläschen, die ihr aufsteigen seht. Eine Rosine ist schwerer als Wasser, deshalb sinkt sie. Aber die Haut der Rosine ist runzelig, und in jede kleine Falte setzt sich ein Bläschen. Irgendwann hängen so viele daran, dass sie zusammen die Rosine hochziehen. Sie wirken wie kleine Schwimmflügel. Oben platzen die Bläschen, die Schwimmflügel sind weg, und die Rosine sinkt. Unten kleben sofort wieder neue Bläschen an. So geht es immer wieder von vorne los, bis kein Gas mehr im Wasser ist.
- Wenn nichts passiert
- Wenn bei euch nichts passiert, ist in neun von zehn Fällen die Kohlensäure schuld. Vielleicht war die Flasche zu lange offen oder die Sorte „Medium". Oder das Wasser wurde vor dem Eingießen geschüttelt und hat die Hälfte im Schaum verloren. Oft kleben auch zu viele Rosinen auf einmal am Boden zusammen. Mit frischem Wasser und fünf einzelnen Rosinen klappt es.
- Die Frage, die ihr zurückgeben könnt
- „Warum kommen die wieder runter?" Diese Frage stellt fast jedes Kind an dieser Stelle. Ihr könnt sie zurückgeben: „Schau mal genau hin, was oben passiert". Wenn euer Kind einmal gesehen hat, wie die Bläschen an der Oberfläche zerplatzen, muss ihm niemand mehr die Antwort erklären.
- Kalt oder warm macht einen Unterschied
- Kaltes Wasser hält Kohlensäure besser fest als warmes. Setzt zwei Gläser mit demselben Wasser an, eins aus dem Kühlschrank und eins handwarm. Dann seht ihr, dass der Tanz im warmen Glas heftiger beginnt und früher aufhört. Für Schulkinder ist das die beste Fortsetzung des Versuchs.
Für jedes Alter
- 0–3 · Kleinkind
- Zuschauen ja, mitmachen nur mit eurer Hand drum herum. Rosinen sind klein, weich und genau die Größe, an der sich Kleinkinder verschlucken. Am besten füllt ihr das Glas. Euer Kind darf die Rosinen einzeln hineinfallen lassen, aber nur mit jemandem daneben. Mit einem Plastikglas statt Glas habt ihr den zweiten Gedanken nicht mehr im Kopf.
- 4–6 · Kita & Vorschule
- In diesem Alter passt der Versuch am besten. Eure Kinder können alles selbst machen: raten, hineinwerfen, zuschauen, die Gegenprobe. In diesem Alter zählt vor allem die Vorhersage. Erst sagen sie, was passieren wird, dann schauen sie hin. Die Freude daran, dass das eigene Raten falsch war, ist echt und hält lange.
- 7–10 · Grundschule
- Jetzt wird gemessen. Wie lange dauert eine Auf- und Abfahrt? Wie viele Fahrten schafft eine Rosine? Wie lange hält der Tanz insgesamt an? Stellt zwei Gläser mit kaltem und warmem Wasser nebeneinander und legt eine Uhr dazu. Schon habt ihr einen Versuchsaufbau mit Ergebnis.
- ab 11 · Tweens & Teens
- Für Ältere liegt das Interessante in der Frage, warum manche Dinge tanzen und andere nicht. Es geht um Dichte, Oberfläche und Auftrieb. Eine Rosine funktioniert, weil ihre Dichte nur knapp über der von Wasser liegt. Ein Kieselstein bleibt unten, egal wie rau er ist. Wenn eure Großen Lust haben, wiegen sie die Rosine vor und nach dem Versuch und erklären den Unterschied.
Varianten
- Variante 1
Die Rosinen-Disco im Dunkeln
Stellt das Glas auf eine Taschenlampe und macht das Licht aus. Die aufsteigenden Bläschen leuchten im Gegenlicht. Die Rosinen werden zu Schatten, die durch eine helle Säule fahren. Am frühen Abend im November habt ihr so den besseren Versuchsaufbau.
- Variante 2
Brausepulver statt Mineralwasser
Wenn ihr kein Sprudelwasser im Haus habt, nehmt ein Glas Leitungswasser und ein Päckchen Brausepulver. Das Gas kommt dann aus dem Pulver statt aus der Flasche. Der Effekt ist derselbe, nur kürzer und heftiger. Zum Trinken ist auch dieses Glas danach nichts mehr.
- Variante 3
Die Langzeitfrage
Lasst das Glas stehen und schaut alle halbe Stunde hin. Wann hört der Tanz auf? Wo sind die Rosinen dann? Wenn euer Kind am Abend noch einmal zum Glas geht, hat es ganz ohne das Wort begriffen, dass sich die Kohlensäure verbraucht.
Häufige Fragen
Welches Mineralwasser klappt am besten?
Nehmt eine Sorte mit viel Kohlensäure. Im Handel heißt sie meist „Classic" oder „Spritzig". Die Flasche sollte frisch geöffnet sein. „Medium" funktioniert schwächer und kürzer, stilles Wasser gar nicht. Genau das zeigt euch auch die Gegenprobe aus Schritt 4.
Wie lange tanzen die Rosinen?
Rechnet mit zehn bis dreißig Minuten, je nach Kohlensäuregehalt, Glasgröße und Temperatur. Der Tanz hört auf, wenn das Gas aus dem Wasser entwichen ist. Ein hohes, schmales Glas hat weniger Oberfläche, an der das Gas entweicht. Deshalb fahrt ihr damit besser als mit einer breiten Schale.
Könnt ihr die Rosinen danach noch essen?
Besser nicht. Sie lagen in einem Glas, in das mehrere Hände gegriffen haben, und sie haben Wasser gezogen. Wenn ihr Rosinen zum Naschen dazustellen wollt, nehmt eine eigene Schale aus der Packung. Lasst sie vom Versuch getrennt.
Funktioniert es auch mit anderen Trockenfrüchten?
Ja, solange sie klein und rau sind. Getrocknete Cranberrys und Korinthen klappen gut. Größere Stücke wie Aprikosen sind zu schwer, die Bläschen schaffen sie nicht nach oben. Für ältere Kinder habt ihr damit eine gute Testreihe.
Warum sinken die Rosinen überhaupt erst?
Eine Rosine ist dichter als Wasser. Sie wiegt bei gleichem Volumen mehr. Erst wenn genug Gasbläschen daran hängen, ist das Gesamtpaket aus Rosine und Bläschen leichter als das verdrängte Wasser. Dann steigt es. Ihr seht hier denselben Auftrieb, der auch ein Schiff trägt.
Die fünf Schritte, die Erklärung für Kinder, die Gegenprobe und die Sicherheitshinweise – zum Ausdrucken und neben das Glas legen.
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