Fünf Spielplätze, ein Geysir, der alle zehn Minuten zischt, und Hamburgs kleinster Leuchtturm — Wilhelmsburg ist mehr als die Elbinsel, über die man drüberfährt.
Wilhelmsburg hat es nicht leicht mit seinem Ruf. Die meisten Hamburger kennen den Stadtteil als das, was zwischen den Elbbrücken und Harburg liegt. Als Autobahn-Kulisse. Dabei passiert hier seit der IGA 2013 etwas, das Familien wissen sollten: Auf der Elbinsel gibt es mittlerweile mehr zu entdecken als in manchem Stadtteil nördlich der Elbe — und das meiste davon ist kostenlos.
Wir waren an einem Samstag im Mai da. S-Bahn bis Wilhelmsburg, zehn Minuten vom Hauptbahnhof. Die Kinder hatten Gummistiefel an, obwohl die Sonne schien. Im Nachhinein: goldrichtig.
Fünf Spielplätze, ein Park: Der Inselpark von innen
Der Inselpark ist das Herz von Wilhelmsburg. 85 Hektar, angelegt für die Internationale Gartenschau 2013, und seitdem erstaunlich gut in Schuss. Was ihn für Familien besonders macht: Hier gibt es nicht einen Spielplatz, sondern fünf. Jeder hat ein eigenes Thema.
„Hütten und Paläste" ist der größte — Holztürme, Brücken, Kletterwände. „Atlantis" liegt halb im Wasser, „Wüstenwellen" hat Sandlandschaften mit Hügeln zum Runterrollen. „Geheimnisvolle Insel" versteckt sich im Gebüsch, perfekt für Kinder, die lieber entdecken als klettern. Und dann ist da noch der Windflüchter.
Aber der bekommt seinen eigenen Abschnitt.
Das Schöne am Inselpark: Er ist nie überfüllt. An einem Samstag im Mai hatten wir den Atlantis-Spielplatz zwanzig Minuten für uns allein. Probier das mal auf dem Spielplatz am Grasbrookpark in der HafenCity.
Willi sagt: Fünf Spielplätze, null Eintritt, null Gedränge — manchmal liegt das Gute einfach südlich der Elbe.
Wenn der Geysir zischt: Der Wasserspielplatz Windflüchter
Der Windflüchter ist der Grund, warum die Gummistiefel eine gute Idee waren. Der Wasserspielplatz liegt am Rand des Inselparks und hat einen kleinen Geysir, der alle zehn Minuten aus dem Boden schießt. Hoch genug, dass die Kinder kreischen und alle nass werden.
Drumherum gibt es Wasserbecken, Rinnen, Pumpen und Staudämme zum Selberbauen. Unsere Tochter hat eine halbe Stunde lang Wasser von einer Seite zur anderen geleitet und dabei irgendetwas über Physik gelernt. Oder einfach gepanscht. Beides gut.
Der Spielplatz ist kostenlos und von April bis Oktober in Betrieb. Wechselkleidung einpacken. Handtuch auch.
Hamburgs kleinster Leuchtturm und die Elbe-Auen
Vom Inselpark aus lohnt sich ein Abstecher Richtung Süden, zur Bunthäuser Spitze. Dort, wo sich die Elbe in Norder- und Süderelbe teilt, steht das Leuchtfeuer Bunthaus. Sieben Meter hoch, rot-weiß gestreift — Hamburgs kleinster Leuchtturm.
Kinder finden Leuchttürme grundsätzlich gut. Dieser hier ist klein genug, um nicht einschüchternd zu wirken. Der Wanderweg drumherum führt durch die Elbe-Tideauen: Schilf, Wasser, Vögel, Stille. Am Wochenende hat das Elbe-Tideauenzentrum nebenan geöffnet, mit einer kleinen Ausstellung über die Tier- und Pflanzenwelt der Elbinsel.
Der Weg von der S-Bahn Wilhelmsburg bis hierher ist mit Kindern machbar, aber nicht kurz. Wer ein Fahrrad hat, ist klar im Vorteil. Alternativ: Bus 152 Richtung Süden und von dort weiterlaufen.
40 Meter über Hamburg: Der Energieberg Georgswerder
Der Energieberg ist das, was passiert, wenn eine ehemalige Mülldeponie eine zweite Chance bekommt. 40 Meter hoch, mit einem 900 Meter langen Horizontweg auf der Kuppe und einem Panoramablick, der bei klarem Wetter bis zum Michel, zur Elbphilharmonie und zum Hafen reicht.
Für Kinder ist der Aufstieg das Abenteuer. Es geht über breite Wege nach oben, vorbei am Informationszentrum „Der gebändigte Drache" — hier wird erklärt, wie aus Gift und Müll ein Energielieferant wurde. Oben angekommen stehen die Kinder am Geländer und zeigen auf alles, was sie erkennen. Der Eintritt ist kostenlos.
Geöffnet ist der Energieberg von April bis Oktober: montags bis freitags 9 bis 17 Uhr, am Wochenende 12 bis 16 Uhr. An Feiertagen geschlossen. Das Informationszentrum wird gerade umgebaut und öffnet voraussichtlich Ende Juni 2026 neu — das Außengelände und der Horizontweg sind aber regulär zugänglich.
Ziegen, Ponys, Kaninchen: Der Kinderbauernhof
Wer nach Spielplatz und Energieberg noch Energie hat: Am Rand von Wilhelmsburg liegt ein Kinderbauernhof, der leise und unspektakulär genau das Richtige tut. Ponys, Ziegen, Kaninchen, ein paar Papageien. Kein Eintritt, kein Zaun, kein Schnickschnack. Die Kinder stehen am Gehege, füttern die Ziegen und sind zufrieden.
Der Bauernhof ist einer dieser Orte, die man nur kennt, wenn man hier wohnt oder jemanden fragt, der hier wohnt. Für einen Familienausflug nach Wilhelmsburg ist er das perfekte Ende — leise, langsam, satt.
Wie ihr hinkommt und was ihr einpacken solltet
HVV: S3 oder S31 bis Wilhelmsburg, zehn Minuten vom Hauptbahnhof. Die Metrobusse 151, 152 und 252 fahren durch den Stadtteil. Vom Bahnhof Wilhelmsburg sind es zehn Minuten zu Fuß zum Inselpark.
Café vju: Wer sich eine Pause auf dem Energiebunker gönnen will — das Café vju auf dem Dach hat samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, unter der Woche geschlossen. Frühstück ab 11 Uhr, Führungen durch den Bunker um 14, 15 und 16 Uhr. Der Blick über den Hafen lohnt sich.
Wälderhaus: Das Science Center Wald im Wälderhaus am Inselpark zeigt eine interaktive Ausstellung über den deutschen Wald. Eintritt frei — ein guter Regentag-Plan-B.
Einpacken: Wechselkleidung (Wasserspielplatz), Sonnencreme (Energieberg hat keinen Schatten), Fahrrad wenn möglich. Die Wege zwischen den Zielen sind angenehm, aber nicht kurz.
Kinderwagen: Im Inselpark kein Problem, alle Wege asphaltiert. Zum Leuchtfeuer Bunthaus und Energieberg nur eingeschränkt — die letzten Meter sind teils unbefestigt.
Was bleibt
Wilhelmsburg ist kein Geheimtipp mehr — aber es fühlt sich noch so an. Ein Stadtteil, der sich nicht aufdrängt, der nicht auf Instagram posiert, der einfach da ist. Mit Spielplätzen, die nicht voll sind. Mit einem Geysir, der verlässlich zischt. Mit einem Leuchtturm, der so klein ist, dass man ihn fast übersieht. Und mit einer Stille an der Bunthäuser Spitze, die man zehn Minuten vom Hauptbahnhof entfernt nicht erwarten würde.
Wir fahren wieder hin. Die Kinder haben schon gefragt, wann.























