
Wetterstation aus Kiefernzapfen
Ein Kiefernzapfen sieht aus, als wäre er fertig: holzig, trocken, vom Baum gefallen. Dabei kann er noch etwas, das eure Kinder kaum vermuten. Er bewegt sich. Wird er nass, legt er seine Schuppen eng an und wird schmal. Trocknet er, spreizt er sie wieder ab.
An einem Nachmittag könnt ihr das zeigen. Ihr legt den Zapfen ins Wasserglas, nach etwa zwei Stunden ist er zu. Über Wochen könnt ihr es auch beobachten, wenn ein Zapfen draußen auf der Fensterbank liegt und jeden Morgen etwas anders aussieht.
Ihr könnt hier beide Wege gehen. Erst kommt der Test im Glas, damit alle gesehen haben, was passiert. Dann folgt die Wetterstation vor dem Fenster. Dazu erfahrt ihr, woran ihr einen Kiefernzapfen erkennt und was ihr im Park mitnehmen dürft.
Das braucht ihr
Die Zapfen bringt ihr vom Spaziergang mit, der Rest steht bei euch im Küchenschrank.

2–3 Kiefernzapfen
Sammelt sie vom Boden auf, sie sollten trocken und weit geöffnet sein. Einer kommt ins Wasser, einer bleibt trocken zum Vergleich. Ein dritter ist die Reserve, falls einer beim Transport Schuppen verliert.
1 hohes, klares Glas
Es sollte deutlich höher als der Zapfen sein, damit er ganz ins Wasser passt. Nehmt ein klares Glas ohne Muster, sonst seht ihr von der Seite nichts.
Leitungswasser
Damit füllt ihr das Glas. Kaltes Wasser genügt.
1 kleine Schale
Sie ist für den nassen Zapfen beim Trocknen, damit nichts auf den Heizkörper tropft. Später hält sie den Zapfen auf der Fensterbank, damit er nicht wegrollt.
So geht's
Schritt 1
Zapfen sammeln – nur vom Boden
Kind
Kiefernzapfen findet ihr dort, wo Kiefern stehen: im Park, am Waldrand, auf Wegen unter den Bäumen. Ihr sammelt nur, was schon unten liegt. Die besten Zapfen sind trocken, weit geöffnet und noch ganz. Abgebrochene Stücke und Zapfen mit klebrigen Harztropfen lasst ihr liegen.
Ein Kiefernzapfen ist klein, etwa 3 bis 8 Zentimeter lang, rundlich bis eiförmig und hart. Seine dicken, holzigen Schuppen tragen außen ein rautenförmiges Schild. Wenn ihr einen langen, schlanken Zapfen mit dünnen, glatten Schuppen findet, haltet ihr einen Fichtenzapfen in der Hand. Der funktioniert auch. Für euren Vergleich ist es aber schöner, wenn alle Zapfen von derselben Baumart stammen.
Schritt 2
Zu Hause: den offenen Zapfen genau ansehen
Erwachsene + Kind
Bevor irgendetwas ins Wasser kommt, schaut euch den offenen Zapfen genau an. Die Schuppen sitzen in Spiralen um eine Mitte und stehen weit ab. Zwischen ihnen sind dunkle Lücken. Dort saßen einmal die Samen.
Dann stellt euren Kindern die Frage: Was passiert wohl, wenn dieser Zapfen ins Wasser kommt? Schwillt er an, zerfällt er, passiert gar nichts? Schreibt die Vermutung auf oder malt sie auf. Beim Auflösen ist das später der schönste Moment.
Schritt 3
Einen Zapfen ins Wasserglas
Kind
Füllt das Glas fast bis zum Rand mit Wasser und legt einen Zapfen hinein. Der zweite Zapfen bleibt trocken daneben liegen. Er ist euer Vergleich, ohne den ihr später nicht sicher sagen könnt, wie groß der Unterschied ist.
Stellt das Glas an einen Platz, an dem es niemand umstößt und an dem ihr im Vorbeigehen hineinsehen könnt.
Schritt 4
Nach etwa zwei Stunden: vergleichen
niemand – Geduld
Nach etwa zwei Stunden haben sich die Schuppen geschlossen. Nehmt den Zapfen heraus und legt ihn neben den trockenen. Ihr seht, er ist schmal geworden und dunkel vom Wasser, die Schuppen liegen dicht aneinander.
Wenn ihr zwischendurch nachseht, könnt ihr dem Zapfen beim Zumachen zusehen. Das geht langsam, Schuppe für Schuppe, nicht auf einen Schlag. Jetzt könnt ihr auch die Vermutung von vorhin auflösen.
Schritt 5
Trocknen lassen – er geht wieder auf
niemand – Geduld
Legt den nassen Zapfen in die kleine Schale und stellt ihn bei euch an einen warmen, trockenen Platz, etwa auf den Heizkörper. Keine Sorge, das Öffnen dauert deutlich länger als das Schließen, mindestens über Nacht, manchmal bis zu zwei Tage.
Danach sieht er wieder aus wie am Anfang. Darauf baut eure Wetterstation, denn der Zapfen macht diese Bewegung immer wieder und nicht nur einmal.
Schritt 6
Die Wetterstation aufstellen
Erwachsene + Kind
Stellt einen trockenen, geöffneten Zapfen in der Schale nach draußen. Er kann auf der Fensterbank oder dem Balkon stehen, an einem Platz, den ihr vom Fenster aus seht. Die Schale hält ihn, wenn es windig wird.
Seht jeden Morgen einmal nach: offen, halb offen oder zu? Wenn ihr das auf einem Zettel neben dem Fenster festhaltet, zusammen mit dem Wetter des Tages, habt ihr nach zwei Wochen eine echte Beobachtungsreihe. Der Zapfen zeigt dabei, wie feucht die Luft ist. Er sagt kein Wetter voraus, er reagiert auf das, was schon da ist.
Gelingt sicher
- Warum sich ein toter Zapfen bewegt
- Jede Schuppe besteht aus Schichten, die Wasser unterschiedlich stark aufnehmen. Wird die Schuppe nass, quillt die eine Seite mehr als die andere. Dann biegt sich die Schuppe an den Zapfen heran. Trocknet sie, geht es in die andere Richtung. Der Zapfen muss dafür nicht leben, es ist reine Mechanik. Ihr könnt also auch alte, leere Zapfen nehmen. Sogar fossile Zapfen, die Millionen Jahre alt sind, bewegen ihre Schuppen noch.
- Wozu der Baum das braucht
- Unter den Schuppen reifen die Samen der Kiefer, jeder mit einem kleinen Flügel. Bei trockenem Wetter geht der Zapfen auf, genau wie bei euch auf dem Heizkörper. Dann kann der Wind die Samen weit forttragen. Bei feuchtem Wetter bleibt er zu und schützt sie. Bis ein Kiefernzapfen reif ist, vergehen etwa zwei Jahre. Nachdem er seine Samen freigegeben hat, fällt er als Ganzes herunter.
- Der Platz draußen entscheidet
- Stellt eure Wetterstation nach draußen. Sie soll die Luft vor dem Fenster anzeigen, nicht die im Wohnzimmer. Wenn ihr mögt, legt einen zweiten Zapfen drinnen auf die Fensterbank und vergleicht jeden Morgen beide. So seht ihr, dass es auf die Luft um den Zapfen ankommt und nicht auf den Zapfen selbst.
- Sprühen statt Eintauchen
- Statt den Zapfen ins Glas zu legen, könnt ihr ihn auch rundherum mit Wasser besprühen. Für das Zurück reicht ein warmer Heizkörper. Wie lange das Besprühen gegenüber dem Wasserglas braucht, dazu haben wir keine belastbare Angabe gefunden. Diese Frage könnt ihr gut selbst mit der Uhr messen.
Für jedes Alter
- 0–3 · Kleinkind
- In diesem Alter reicht es völlig, wenn eure Kinder Zapfen finden, tragen und fühlen, wie hart und kratzig die Schuppen sind. Das Wasserglas stellt ihr hin, nach zwei Stunden seht ihr alle zusammen nach. Die Zapfen bleiben dabei in Sichtweite, siehe Sicherheitskasten.
- 4–6 · Kita & Vorschule
- In diesem Alter ist die Vermutung vorher der Kern. Eure Kinder raten, malen auf und sehen dann nach. Für die Wetterstation reichen zwei Zeichen auf einem Zettel, ein offener und ein geschlossener Zapfen, dazu Sonne oder Wolke. Jeden Morgen macht ihr einen Strich.
- 7–10 · Grundschule
- Jetzt wird es ein richtiger Versuch. Eure Kinder sehen jede Viertelstunde nach. Sie notieren, wann sich am Zapfen im Glas die ersten Schuppen bewegen und wann er ganz zu ist. Für die Wetterstation notieren sie zwei Wochen lang jeden Morgen zur selben Uhrzeit Zapfen und Wetter. Am Ende vergleicht ihr, ob es immer passt.
- ab 11 · Tweens & Teens
- Für Ältere wird der Zapfen zum Messgerät. Eine Handyserie alle zehn Minuten vom selben Standpunkt ergibt einen Zeitraffer vom Schließen. Wenn eure Großen es genauer wollen, kleben sie einen Trinkhalm als Zeiger auf eine Schuppe und markieren den Ausschlag an einer Pappe dahinter. Oder sie vergleichen die Beobachtungsreihe mit den Luftfeuchte-Werten einer Wetter-App.
Sicherheitshinweise
- Zapfen sind kein Spielzeug für den Mund. Säuglinge und Kleinkinder nehmen alles in den Mund, was sie in die Hand bekommen, und abgebrochene Schuppen oder Samen sind genau die kleinen Teile, an denen sie sich verschlucken können. Kleinkinder spielen mit Zapfen nur unter Aufsicht, lose Schuppen werden gleich weggeräumt.
- Bei Verdacht, dass ein Kind Pflanzenteile verschluckt hat, nicht im Internet suchen, sondern anrufen: Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen, für Hamburg zuständig, 0551 19240.
- Frisches Harz klebt – und Nadelbaumharz enthält Stoffe, die als Kontaktallergen bekannt sind. Zapfen mit klebrigen Harztropfen deshalb liegen lassen und nach dem Sammeln die Hände waschen. Wer schon einmal mit Hautausschlag auf Harz reagiert hat, fasst Zapfen besser nicht mit bloßen Händen an.
- Nur Zapfen vom Boden aufsammeln und nichts vom Baum abreißen. Geringe Mengen für den eigenen Bedarf darf jeder mitnehmen – ein paar Zapfen für die Fensterbank gehören dazu. In Naturschutzgebieten gilt das nicht: Dort wird nichts mitgenommen.
Varianten
- Variante 1
Das Wetter-Tagebuch
Ihr braucht ein Blatt Papier mit sieben Spalten für die Wochentage und zwei Zeilen. Oben steht der Zapfen (offen, halb, zu), unten das Wetter (Sonne, Wolken, Regen, Nebel). Nach ein paar Wochen seht ihr, an welchen Tagen der Zapfen zu war und ob es danach geregnet hat.
- Variante 2
Der Zapfen mit Zeiger
Klebt einen Trinkhalm auf eine Schuppe am oberen Ende des Zapfens. Setzt den Zapfen mit Knete auf einer Unterlage fest und stellt eine Pappe dahinter. Wo der Halm steht, macht ihr einen Strich. Bewegt sich die Schuppe, wandert der Zeiger. So wird aus eurer Beobachtung eine Messung.
- Variante 3
Kiefer gegen Fichte
Auch Fichtenzapfen schließen sich bei Feuchtigkeit. Legt einen von jeder Sorte gleichzeitig ins Wasser und beobachtet, welcher sich wie verhält. Welcher schneller ist, dazu fand sich keine belastbare Angabe. Gerade darum ist das ein guter Versuch für euch.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis der Zapfen im Wasser zugeht?
Rechnet mit etwa zwei Stunden, bis die Schuppen geschlossen sind. Das Wiederöffnen dauert deutlich länger. Legt ihr den Zapfen an einen warmen, trockenen Platz, braucht er mindestens eine Nacht, manchmal bis zu zwei Tage.
Kann ein Zapfen das Wetter vorhersagen?
Nicht im eigentlichen Sinn. Er zeigt euch, wie feucht die Luft ist. Weil sich seine Schuppen über Stunden bewegen, zeigt er eher, wie feucht sie in den letzten Stunden war. Hohe Luftfeuchtigkeit bedeutet nicht automatisch Regen, ist aber ein brauchbarer Hinweis. Deshalb lohnt sich euer Tagebuch.
Ist das nicht ein Tannenzapfen?
Fast nie. Tannenzapfen stehen aufrecht auf den Zweigen und zerfallen dort in einzelne Schuppen. Ganze Tannenzapfen findet ihr so kaum je auf dem Boden. Was ihr als ganzen Zapfen aufhebt, stammt meist von Kiefer oder Fichte.
Wie oft funktioniert das mit demselben Zapfen?
Immer wieder. Die Bewegung braucht keinen lebenden Zapfen, auch alte und leere Zapfen machen sie. Ihr könnt denselben Zapfen also nach dem Wassertest direkt als Wetterstation nehmen.
Darf ich im Park oder Wald Zapfen mitnehmen?
In geringen Mengen für den eigenen Bedarf ja, wenn ihr sie vom Boden aufhebt. Ein paar Zapfen für euer Experiment gehören genau dazu. Ausgenommen sind Naturschutzgebiete und Flächen, die ihr nicht betreten dürft. Wenn ihr größere Mengen braucht, etwa für eine Kita-Gruppe, fragt vorher beim Eigentümer oder Forstamt.
Die Materialliste, die sechs Schritte vom Sammeln bis zur Wetterstation und die Sicherheitshinweise – zum Ausdrucken und neben das Fenster hängen.
Rausgehen und Zapfen finden
Im Kalender stehen Hamburgs Natur- und Waldtermine für Familien – geführte Spaziergänge, Naturzentren und Mitmachaktionen im Herbst und Winter. Wer dort unterwegs ist, lernt nebenbei, welcher Zapfen von welchem Baum stammt.
Natur-Termine im Kalender →





