148 Hektar Park, ein Planetarium in einem alten Wasserturm und ein Badesee, für den ihr die Stadt nicht verlassen müsst — Winterhude ist der Stadtteil, in dem sich ein Familientag von allein füllt.
Winterhude hat das Problem der Reichen: Alle kennen den Stadtpark, und danach hört es auf. Fragt man Eltern, was man in Winterhude mit Kindern machen kann, kommt „Stadtpark" und dann eine Pause.
Dabei liegen im selben Stadtteil ein Planetarium, das täglich für Kinder ab vier spielt, ein Naturbad mit Sandstrand, einer der größten Bauspielplätze der Stadt, eine Bücherhalle mit Roboter-Nachmittagen und eine internationale Bühne. Und alles davon liegt an derselben U-Bahn-Linie.
Der Stadtpark ist kein Park, sondern ein Programm
Der Hamburger Stadtpark ist 148 Hektar groß und funktioniert für Familien wie ein Baukasten. Man kann hier eine Stunde verbringen oder acht, und beides fühlt sich richtig an.
Der Anker für kleine Kinder ist der Wasserspielplatz mit dem großen Kletterschiff im flachen Wasserbecken: hochklettern, ins Wasser springen, wieder hochklettern, dazu ein Sandbereich zum Burgenbauen. An heißen Tagen ist er voll — der Stadtpark zieht halb Hamburg an, wer Platz will, ist vor elf Uhr da. Mehr dazu und zu den anderen acht Wasserspielplätzen der Stadt steht in unserem Text über Wasserspielplätze in Hamburg.
Der Gegenentwurf liegt im Norden der Anlage: der Waldspielplatz, etwas versteckt, komplett von Bäumen beschattet. Kletterburg, große Sandfläche, mehrere Schaukeln, eine Hängematte. Wenn der Hauptpark sich anfühlt wie ein Festival, ist hier oben noch Luft — an Hitzetagen ist das der bessere Plan.
Dazwischen: die Große Wiese, Grillplätze, Kioske, Liegewiesen ohne Ende. Das Praktische am Stadtpark ist, dass man nichts buchen und nichts planen muss. Man geht rein und schaut, was passiert.
Willi sagt: Im Stadtpark gibt es zwei Sorten Spielplatz — den lauten am Wasser und den schattigen im Wald. An heißen Tagen entscheidet das über die Laune.
Planetarium: Sternenhimmel im Wasserturm
Mitten im Stadtpark steht das Planetarium Hamburg in einem alten Wasserturm — allein das Gebäude ist den Weg wert. Innen sitzt man in einem Kuppelsaal und schaut nach oben, während der Himmel sich dreht.
Für Familien ist das Programm feiner gestaffelt, als viele denken. „Sterntaler" läuft ab 4 Jahren, „Kleiner Stern im großen All" und „Mit Juri durchs Sonnensystem" ab 5, „Eddie will ins All" und „Das Geheimnis der Papierrakete" ab 6, „Polaris und das Rätsel der Polarnacht" ab 8. Die Erwachsenenprogramme über die Milchstraße sind ab 12 empfohlen — die Grenzen sind sinnvoll gesetzt, nicht willkürlich.
Der Eintritt liegt bei 12,30 Euro, ermäßigt 7,70 Euro. Geöffnet ist dienstags bis sonntags, montags ist geschlossen; donnerstags und freitags läuft das Programm bis 21 Uhr, samstags sogar bis 22.30 Uhr. Ein Hinweis aus Erfahrung: Die Kindervorstellungen am Wochenende sind oft ausverkauft. Vorher buchen.
Naturbad Stadtparksee: baden ohne rauszufahren
Am Westrand des Parks liegt das Naturbad Stadtparksee — ein Badesee mit Sandstrand, flachem Einstieg und für die Größeren einer Rutsche und Sprungtürmen. Das ist der Unterschied zum Wasserspielplatz: Hier wird richtig geschwommen, und es gibt eine Badeaufsicht.
Für Familien ohne Auto ist das ein echtes Argument. Die meisten Badeseen rund um Hamburg liegen im Osten und kosten eine Dreiviertelstunde Anfahrt. Der Stadtparksee liegt fünf Minuten von der U3 Saarlandstraße. An heißen Wochenenden wird es voll — wer Platz will, kommt früh. Die anderen sechs Seen mit flachem Ufer stehen in unserem Vergleich der Badeseen rund um Hamburg.
Poßmoorwiese: 4.000 Quadratmeter zum Selberbauen
Der Bauspielplatz Poßmoorwiese am Poßmoorweg, Ecke Barmbeker Straße, ist einer der größten Bauis der Stadt: eigener Hüttenbauplatz, Seilbahn, Feuerstelle, kleiner Teich, Basketballkorb, eine Sandkiste, die im Sommer zum Planschbecken wird, und eine freie Fläche, auf der die Kinder mit Bollerwagen und Kettcars fahren.
Offen ist er für alle von 6 bis 14, regulär dienstags bis freitags von 14 bis 19 Uhr, in den Ferien montags bis freitags von 11 bis 17 Uhr. Wenn ihr ohnehin im Stadtpark seid, ist er zu Fuß erreichbar. Was ein Bauspielplatz ist, wie die Betreuung funktioniert und warum Erwachsene meistens draußen bleiben, erklären wir in Abenteuerspielplätze und Bauspielplätze in Hamburg.
Goldbekkanal und Mühlenkamp: das andere Winterhude
Östlich der U-Bahn liegt das Winterhude, das keine Sehenswürdigkeit hat und trotzdem das schönere ist: die Kanäle. Der Goldbekkanal und der Mühlenkampkanal ziehen sich durch Wohnstraßen, mit Hausbooten, Brücken, Kanufahrern und Wegen an den Ufern.
Für Familien ist das der beste Sonntagvormittag-Plan im Stadtteil. Man läuft am Wasser, die Kinder zählen Boote, und am Goldbekhaus oder auf dem Winterhuder Marktplatz gibt es Kaffee und Kuchen. Kein Eintritt, keine Öffnungszeiten, kein Programm. Manchmal ist das genau richtig.
Regentag: Bücherhalle Winterhude und Kampnagel
Die Bücherhalle Winterhude am Winterhuder Marktplatz 6 hat ein Kinderprogramm, das man ihr von außen nicht ansieht: Bilderbuchkino ab 4, MINTerhude mit Ozobot-Robotern für Kinder ab 8, Pokémon-Tauschbörsen ab 6, Kreativnachmittage. Fast alles ohne Eintritt und ohne Anmeldung. Die kommenden Termine stehen auf unserer Ortsseite zur Bücherhalle Winterhude, und was die Bücherhallen sonst noch anbieten, steht in unserem Text zu den Bücherhallen in Hamburg mit Kindern.
Und dann ist da noch Kampnagel in der Jarrestraße 20 — eine alte Maschinenfabrik, heute internationale Bühne. Das reguläre Programm ist erwachsen, aber ein paarmal im Jahr wird das Haus zum Familienort: beim Klangfest im Frühjahr etwa, wenn die Hallen zum musikalischen Abenteuerspielplatz für Kinder ab 5 werden, mit freien Klanginstallationen auf dem Vorplatz. Wer in Winterhude wohnt, sollte den Spielplan im Blick behalten.
Wie ihr hinkommt und was ihr wissen solltet
HVV: Die U3 ist die Winterhude-Linie — Borgweg für Stadtpark und Planetarium, Saarlandstraße für Naturbad und Kampnagel. Die U1 hält an Hudtwalckerstraße und Kellinghusenstraße im Westen des Stadtteils. Vom Hauptbahnhof sind es mit der U3 rund fünfzehn Minuten.
Vom Bahnhof in den Park: Von U3 Borgweg sind es fünf Minuten bis zum Planetarium und rund zehn bis zum Wasserspielplatz. Der Park ist groß — plant die Wege ein, gerade mit müden Kindern am Ende des Tages.
Kinderwagen: Im Stadtpark alle Hauptwege asphaltiert oder fest, kein Problem. Der Waldspielplatz liegt an einem Sandweg.
Toiletten: Im Planetarium und an den Kiosken im Park. Am Waldspielplatz nicht.
Einpacken: Wechselsachen (Wasserspielplatz oder Naturbad), Sonnencreme für die Große Wiese, eine Decke. An heißen Tagen früh kommen oder direkt zum Waldspielplatz gehen.
Nebenan: Barmbek grenzt im Osten direkt an — von der Poßmoorwiese sind es ein paar Minuten. Was dort auf Familien wartet, steht in unserem Porträt über Barmbek mit Kindern.
Was bleibt
Winterhude ist der Stadtteil, in dem man am wenigsten planen muss. Man fährt zur U3, geht in den Park, und der Tag ergibt sich: Wasser, Sand, Schatten, vielleicht Sterne, vielleicht ein See.
Was uns überrascht hat, ist die Bandbreite. Wir waren wegen des Stadtparks da und haben festgestellt, dass man an einem einzigen Nachmittag in einer Kuppel unter dem Sternenhimmel sitzen, danach im See schwimmen und abends am Kanal entlanglaufen kann. Ohne einmal umzusteigen.




















