Hamburg ist eine grüne Stadt, aber die richtigen Naturerlebnisse liegen oft am Rand oder kurz dahinter. Sieben Tagesausflüge in und um die Stadt, die wir selbst regelmäßig fahren.
Wenn man Kinder hat, lernt man Hamburg von außen kennen. Der Hauptbahnhof ist Mittelpunkt, aber das eigentliche Spielfeld liegt im Umland: Klövensteen im Westen, die Heide im Süden, das Alte Land über die Elbe, das Naturschutzgebiet Boberger Niederung im Osten. Diese sieben Ziele kombinieren Tiere, Wald oder freie Fläche mit einer Anreise, die noch im Familien-Sonntag passt.
Wildpark Schwarze Berge — der „große" Tierausflug
Der Wildpark Schwarze Berge in Rosengarten, südlich von Hamburg, ist die richtige Adresse für einen großen Tag. Heimische Tiere — Wölfe, Luchse, Bären, Wildschweine, dazu Damhirsche und Mufflons im offenen Gehege. Flugschauen jeden Tag um 12 und 15 Uhr. Spielplatz mit Sommerrodelbahn, ein Aussichtsturm. Mit dem Auto über die A7 (Marmstorf), mit HVV-Linie 340 oder 544. Mit Kindern unter drei ist es nicht überfordernd; ab vier richtig schön.
Wildgehege Klövensteen — der „kleine" Tierausflug
Wer es kürzer und kostenlos haben will, fährt zum Wildgehege Klövensteen in Rissen. Damwild, Mufflons, Wildschweine, Füchse. Es kostet keinen Eintritt, dafür sind die Wege länger und das Erlebnis ruhiger. Kombinierbar mit dem Forst Klövensteen — 580 Hektar Wald, in dem Kinder eigene Spielregeln erfinden. S1 bis Rissen, dann 15 Minuten Fußweg.
Kinderbauernhof Kirchdorf — Tiere zum Anfassen
Der Kinderbauernhof Kirchdorf in Wilhelmsburg ist eine Insel im besten Sinn. Ziegen, Schafe, Gänse, Schweine, Ponys, Esel, Hasen. Streicheln ausdrücklich erlaubt, Füttern auch, Eintritt frei. Sozialpädagogisch geführt, deshalb andere Öffnungszeiten als ein klassischer Bauernhof — vor der Anfahrt anrufen oder auf der städtischen Übersicht den Wochenplan checken. Adresse: Kirchdorfer Straße 168, 21109 Hamburg. S3/S31 bis Wilhelmsburg, Bus 13 weiter. Mehr über den Stadtteil und seine Familienangebote steht in unserem Wilhelmsburg-Porträt.
Gut Karlshöhe — das Umweltzentrum mit Schafen
Im Nordosten Hamburgs, in Bramfeld, liegt Gut Karlshöhe. Neun Hektar Hofgelände, Schafe, Bauerngärten, Streuobstwiesen, eine KinderForscherWerkstatt. Träger ist die Hamburger Klimaschutzstiftung — das merkt man am Programm: Imker-Workshops, Schafschur-Fest im Frühsommer, Mitmachgarten donnerstags. Eintritt aufs Gelände frei, Workshops kostenpflichtig. U1 bis Trabrennbahn, dann Bus 271.
Willi sagt: Ein halber Sonntag im Wald macht mehr für die Familienbatterie als ein ganzer Tag im Programm.
Naturschutzgebiet Boberger Niederung — Hamburgs Wüste
Im Osten der Stadt, zwischen Lohbrügge und Billstedt, liegt die Boberger Niederung. Eine echte Binnendüne, mehrere Kilometer Sand mitten in der Stadt, dazu Moore, Wiesen und ein kleines Naturschutz-Informationshaus. Wer mit Kindern in den Sand will, ohne an die Elbe zu fahren: Hier. Faustregel: gut gehbar mit Buggy nur auf den Hauptwegen, der schönste Teil verlangt etwas Trampelpfad-Toleranz. S2 bis Mittlerer Landweg.
Obsthof Matthies im Alten Land — Saison-Ausflug
Über die Elbe ins Alte Land — Europas größtes zusammenhängendes Obstanbaugebiet. Der Obsthof Matthies in Hamburg-Cranz bietet Hofführungen, einen Lehrpfad „Obst und Garten", Direktverkauf saisonaler Sorten. Im Frühling Apfelblüte, im Spätsommer Pflückaktionen mit Kindern. Mit der HADAG-Fähre 62 bis Finkenwerder, dann Bus oder Auto über die Köhlfleet-Hauptbrücke — die Anreise ist Teil des Ausflugs.
Fischbeker Heide — das Heide-Geheimnis
Im Süden, knapp hinter der Stadtgrenze in Neugraben-Fischbek, liegt die Fischbeker Heide. 770 Hektar Heidelandschaft mit Wacholderbüschen, Kiefernwäldern und einer rund 350 Hektar großen Kernzone, die im August lila blüht. Es gibt das Naturschutzhaus mit Ausstellung und Karten zu Wanderrouten. Mit S3/S31 bis Neugraben, von dort 15 Minuten Fußweg — und plötzlich stehst du in einer Landschaft, die nichts mehr mit Hamburg zu tun zu haben scheint.
Praktische Tipps für Tagesausflüge
- HVV-Tageskarte: Ein Erwachsener plus bis zu drei Kinder unter 15 zahlt unter 10 Euro fürs Gesamtnetz. Für Familien fast immer günstiger als der Einzelfahrschein-Mix.
- Wechselsachen sind bei Tierausflügen Pflicht. Wer einmal ein Kind mit Schaf-Streichel-Hand am Auto-Lenkrad hatte, weiß warum.
- Beste Jahreszeit für Wildparks: April bis Oktober. Im Winter sind viele Tiere weniger sichtbar, manche Stationen geschlossen.
- Auf die Webseite gehen, bevor du aufbrichst. Schafschur-Fest, Apfelblüte, Flugschau — solche Programm-Punkte sind die Sahnehäubchen.
- Eintrittspreise schwanken; verlasse dich nicht auf alte Listen, sondern check kurz vor Anreise.
Fazit
Hamburg ist eine Stadt mit Tiefe nach außen. Wer den Hauptbahnhof als Drehscheibe nimmt und sich einmal im Monat in eine der vier Himmelsrichtungen aufmacht, lernt eine Stadt kennen, die mehr ist als ihre Speicherstadt-Kulisse. Unser Vorschlag: drei dieser Adressen ins Sommer-Heft schreiben — und gucken, welche zur Tradition wird. Wer dabei aufs Budget achten will, findet in Hamburg kostenlos mit Kindern noch mehr Ideen ohne Eintritt.





















