Ein Piratenspielplatz unter einer Brücke, ein Spielplatz, der Geisterspielplatz heißt, und ein Kanal, an dem man ewig laufen kann — Eimsbüttel hat für ein dicht bebautes Viertel erstaunlich viel Platz für Kinder.
Eimsbüttel ist der Stadtteil, in dem man wohnt, nicht der, den man besucht. Altbauten, Osterstraße, viele Kinderwagen, wenig Sehenswürdigkeiten. Wer hier zu Besuch ist, denkt oft: Hübsch, aber was macht man hier eigentlich mit Kindern?
Die Antwort steht in der Karte. Eimsbüttel hat eine Spielplatzdichte, die wir so in keinem anderen Hamburger Stadtteil gefunden haben — über dreißig benannte Spielplätze auf wenigen Quadratkilometern, dazu ein Grünzug, zwei Kanäle und Parks, die zwischen den Häuserblöcken versteckt liegen. Man muss nur wissen, wo.
Spielplätze mit eigenen Namen
Die guten Eimsbütteler Spielplätze haben Namen, und die Namen halten, was sie versprechen. Der Piratenspielplatz an der Goebenbrücke liegt am Isebekkanal direkt unter der Brücke — Schiff, Klettergerüst, Wasser in Sichtweite. Der Geisterspielplatz ein paar Minuten weiter hat seinen Namen von den Figuren im Gelände und ist genau die Sorte Platz, die Kinder sich merken.
Dazu kommt der Lindenpark mit Robinsons Insel — einem Bereich für die ganz Kleinen mit Sand, Wasser und niedrigen Klettergeräten — direkt neben dem Dschungelspielplatz mit hohen Kletterbäumen und Hängebrücken für die Großen. Das ist die Lösung für Familien, deren Kinder drei Jahre auseinanderliegen und deshalb bisher nie denselben Spielplatz mochten. Warum wir ihn zu den schönsten der Stadt zählen, steht in unserer Liste der schönsten Spielplätze in Hamburg.
Und dann sind da die Parks, die niemand kennt: der Unna-Park mit eigenem Spielplatz, der Else-Rauch-Platz, der Henry-Vahl-Park, der Park an der Apostelkirche. Alles klein, alles ruhig, alles fußläufig. Wer in Eimsbüttel wohnt, braucht für einen Nachmittag draußen keine Bahnfahrt.
Willi sagt: Über dreißig Spielplätze auf engem Raum — in Eimsbüttel ist die Frage nicht, ob einer in der Nähe ist, sondern welcher heute der richtige ist.
Der Isebekkanal: die grüne Achse des Stadtteils
Der Isebekkanal ist das Beste, was Eimsbüttel hat, und die meisten Hamburger fahren nur mit der U-Bahn drüber. Er zieht sich vom Schlump bis zur Alster, gesäumt von alten Bäumen, Wiesen und dem Isebekpark. Auf beiden Seiten laufen Wege, an denen Kinderwagen, Laufräder und Roller problemlos durchkommen.
Für Familien ist der Kanal die Verbindung zwischen allem: Der Piratenspielplatz liegt daran, der Isebekpark auch, und wer nach Osten läuft, landet an der Alster. An warmen Abenden sitzen halb Eimsbüttel und halb Hoheluft auf den Wiesen. Kanufahrer paddeln vorbei, Enten gibt es reichlich, und die Kinder haben immer etwas zu gucken.
Unser Tipp: Statt einen Spielplatz anzusteuern, lauft am Kanal entlang und lasst die Kinder entscheiden, wo Schluss ist. Funktioniert ab etwa drei Jahren erstaunlich gut.
Die Osterstraße mit Kind — und das Kreativhaus
Die Osterstraße ist Eimsbüttels Hauptschlagader: Läden, Bäcker, Cafés, breite Gehwege seit dem Umbau. Mit Kindern ist sie eher Weg als Ziel — aber auf halber Strecke lohnt ein Abstecher in die Telemannstraße.
Dort liegt im Nebengebäude einer Schule das Kreativhaus Eimsbüttel, ein selbstverwalteter Nachbarschaftstreff. Das Programm ist bunt und für Familien überraschend zugänglich: Improtheater zum Ausprobieren, offen für alle und kostenfrei. Ein Flohmarkt mit Hofcafé auf dem Schulhof. Generationen-Singen am Sonntag ohne Eintritt. Kindermalkurse und ein wöchentlicher Kindertheaterkurs am Freitagnachmittag. Und im Sommer ein Kinderfest auf der Straße.
Es ist kein Ausflugsziel im klassischen Sinn. Es ist der Ort, an dem man merkt, dass Eimsbüttel als Viertel funktioniert. Wer neu hier ist, sollte einmal an einem Offene-Tür-Nachmittag reinschauen.
Hagenbeck: der große Nachbar in Stellingen
Ehrlich verortet: Der Tierpark Hagenbeck liegt nicht in Eimsbüttel, sondern in Stellingen — beide gehören zum Bezirk Eimsbüttel, und mit der U2 seid ihr in wenigen Minuten dort. Für Familien im Viertel ist er trotzdem der Hausbesuch.
Der Tierpark ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, im Winter (25. Oktober bis 23. Dezember) bis 16.30 Uhr. Er ist nicht billig: Erwachsene zahlen 29 Euro, Kinder von 4 bis 16 Jahren 19 Euro; das Tropen-Aquarium kostet separat 25 beziehungsweise 17 Euro. Wer beides an einem Tag machen will, sollte über ein Kombiticket oder eine Jahreskarte nachdenken — ab dem zweiten Besuch rechnet sich das schnell.
Was den Besuch für Kinder besonders macht, sind die Aktionstage: der Welt-Elefantentag im August, der Welt-Lemuren-Tag im Oktober, und in den Ferien Programme wie „Kleiner Tierpfleger" oder „Kleiner Tropenforscher", bei denen Kinder hinter die Kulissen dürfen. Die Termine sind begrenzt und schnell weg — früh buchen.
Anfahrt: U2 bis Hagenbecks Tierpark, die Station liegt direkt am Eingang. Auch die Buslinien 22, 181 und 281 halten dort. Die aktuellen Termine im Tierpark sammeln wir auf unserer Ortsseite zu Hagenbeck.
Regentag: MARKK und Bücherhalle Eimsbüttel
Wenn es regnet, hat Eimsbüttel zwei Adressen. Die erste ist die Bücherhalle Eimsbüttel im Doormannsweg 12 mit Bilderbuchkino ab 4 Jahren, Le(i)sezeit und Brettspiel-Flohmärkten — Eintritt frei. Wie viel in Hamburgs Bücherhallen für Kinder läuft, haben wir in Bücherhallen in Hamburg mit Kindern zusammengetragen.
Die zweite ist das MARKK — Museum am Rothenbaum in der Rothenbaumchaussee 64, wieder streng genommen in Rotherbaum, aber vom Isebekkanal aus zu Fuß erreichbar. Geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Das Haus zeigt Sammlungen aus aller Welt und hat regelmäßig Ausstellungen, die auch für Kinder funktionieren — die Katzen-Ausstellung im Herbst 2026 zum Beispiel. Vor dem Besuch lohnt ein Blick ins aktuelle Programm: Nicht jede Führung ist für Grundschulkinder gedacht.
Wer noch mehr Regentag-Optionen braucht, findet sie in unserer Liste Hamburg mit Kindern bei Regen.
Schwimmen: das Kaifu-Bad
Am Rand von Eimsbüttel liegt das Kaifu-Bad, Hamburgs ältestes Bad — mit Hallenbad, Freibadbereich und einem 10-Meter-Sprungturm für Mutige. Für Familien im Viertel ist es die Standardadresse, wenn das Wetter nicht mitspielt. Was es kostet und für welches Alter sich welches Hamburger Bad lohnt, steht in unserem Check der Schwimmbäder in Hamburg mit Kindern.
Wie ihr hinkommt und was ihr wissen solltet
HVV: Die U2 fährt quer durch den Stadtteil (Emilienstraße, Christuskirche, Schlump), die U3 hält an Hoheluftbrücke und Schlump im Osten, die U1 an Kellinghusenstraße. Fast alles im Viertel ist von einer dieser Stationen in unter zehn Minuten zu Fuß erreichbar.
Kinderwagen: Die Wege am Isebekkanal und in den Parks sind fest und flach. In den Altbaustraßen sind die Gehwege seit dem Umbau der Osterstraße deutlich besser geworden, in den Nebenstraßen bleibt es eng.
Essen: Osterstraße und Eimsbütteler Chaussee sind voll mit Bäckern und kleinen Läden; am Isebekkanal gibt es an warmen Tagen mobile Kioske. Für ein Picknick reicht ein Zwischenstopp auf der Osterstraße.
Wenn ihr einen ganzen Tag habt: Hagenbeck füllt ihn allein. Für einen halben Tag reicht eine Kombination aus Spielplatz, Kanal und Bücherhalle — und die kostet nichts. Mehr davon steht in Hamburg kostenlos mit Kindern.
Nebenan: Wer am Isebekkanal nach Osten läuft, landet an der Alster und von dort ist es nicht weit nach Winterhude — was dort auf Familien wartet, steht in unserem Porträt über Winterhude mit Kindern. Und wenn es Richtung Westen gehen soll: Ottensen mit Kindern.
Was bleibt
Eimsbüttel hat kein Wahrzeichen und braucht keins. Es hat etwas Praktischeres: einen Spielplatz um jede Ecke, einen Kanal mit Wegen an beiden Seiten und einen Nachbarschaftstreff, in dem Improtheater nichts kostet.
Das ist kein Ausflugsziel. Das ist ein Stadtteil, der für Familien gebaut ist, ohne dass jemand ein Schild aufgestellt hätte. Und wer einmal an einem Sommerabend am Isebekkanal gesessen hat, während die Kinder auf dem Piratenspielplatz noch eine Runde drehen, versteht, warum hier so viele Familien wohnen bleiben.






















